Sonntag, Dezember 29, 2013

Chias Bücherecke: Rezension: Mana Loa ~ Familienbande

Mein liebster Satz: Immer wenn ich dachte so jetzt hast du alles Wissenswerte über die MacAllisters gelesen, kam noch etwas oben drauf.

Quelle:

Chias Bücherecke: Rezension: Mana Loa ~ Familienbande:  Nina Lorenz ist durch eine Gewalttat geprägt. Mehr noch ist sie aber mit einer Gabe gesegnet: Durch die Berührung eines Fremden werde...

Mittwoch, Dezember 25, 2013

Ka - Sa`s Buchfinder: Ka-Sas Adventskalender Tag 24

Mele kalikimaka!

Hier gibt es bis zum 26.12.2013 noch die Gelegenheit auf eine Taschenbuchausgabe von Mana Loa. An eurer Stelle würde ich mitmachen, denn so schnell bietet sich die Chance nicht wieder.

Aloha

Ka - Sa`s Buchfinder: Ka-Sas Adventskalender Tag 24: Willkommen beim Adventskalender von  Ka-Sas Buchfinder Und das verbirgt sich hinter Türchen Nr. 24 Frohe Weihnachten ...

Sonntag, Dezember 22, 2013

Adventsgewinnspiel 2013 … 35. Türchen (23.12.)

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Heute könnt ihr das Buch "Elysion" von Thomas Elbel gewinnen!

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Kurzbeschreibung:

Das Jahr 2135. Um ihr Überleben in einer verwaisten Metropole zu sichern, dealt die siebzehnjährige Cooper Kleinschmidt mit der Droge Teer. Eine Droge, die ihren Usern außergewöhnliche Kräfte verleiht und nur durch die Tötung eines Malach gewonnen werden kann, jener gottgleichen Wesen, die über außergewöhnliche Macht verfügen und im »Elysion« außerhalb der alten Städte leben. Als Cooper auf ihrer Jagd nach Teer auf einen Malach trifft, der ihr eine geheimnisvolle Botschaft übermittelt, beginnt für sie eine Reise durch eine zerstörte, gefährliche Welt, in der eine falsche Entscheidung das Ende bedeuten kann.

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Thomas Elbel

Leseprobe aus "Elysion"

Genre: Romantasy / Fantasy

Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edtion

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Leseprobe

Prolog

Für Svantovit 2098 war es ein Tag wie jeder andere. Von seinem Arbeitsplatz und dem Beginn der Frühschicht im Industriegürtel der Polis trennte ihn höchstens noch eine Viertelstunde. Wohl zum dritten Mal an diesem Morgen schaute er auf den Beifahrersitz. Auf dessen grünem Velours befand sich in einer schmucklosen Schatulle ein kleiner Datenkristall, Ergebnis von ungezählten Nächten freiwilliger Arbeit. Heute würde er seinen Chef mit diesem unschlagbaren Beweis seiner Eigeninitiative überraschen. Nicht weniger als die Lösung des Wasserversorgungsproblems im Madrider Viertel war ihm in endlosen Stunden mühevoller Ingenieursarbeit an seinem virtuellen Reißbrett gelungen. Dieses Meisterstück, so dachte sich Svantovit, müsste die Beförderung wert sein, die ihm eigentlich schon seit Jahren zustand.

Hätte er gewusst, dass an diesem Morgen auf seinem Weg zur Arbeit der Tod auf ihn lauerte, so hätte er seine letzten Gedanken möglicherweise auf bedeutendere Angelegenheiten verwandt. So aber kreisten seine Gedanken um nichts als den Karrieresprung, den ihm seine Erfindung bescheren sollte, während sein Schicksal bereits auf einen Kollisionskurs mit ihm eingeschwenkt war.

***

Drei Jahre nach seiner Abfahrt stand das kleine Gefährt kurz vorm Ziel. Aus der Ferne mochte es mit seinen sechs Rädern und dem flachen Aufbau wie ein übergroßer Käfer wirken. Und tatsächlich hätte seine Unverwüstlichkeit und Zähigkeit auch einem Insekt alle Ehre gemacht. Stunde um Stunde hatte es sich den Weg durch zerklüftete Kraterlandschaften und schier endlose Geröllflächen erkämpft. An manchen Tagen betrug der Geländegewinn kaum eine Handvoll Meter. Einmal, beim Umrunden der chaotischen Schluchtenlandschaft des Noctis Labyrinthus, fuhr sich das Gefährt im Sand einer Düne fest. Eine Woche lang bewegte die kybernetische Intelligenz seiner Bordelektronik die Räder in wechselnde Positionen, bis es schließlich freikam. Nachts oder wenn Staubstürme die Sonne verdunkelten, lieferten die Solarzellen nicht genug Energie und das Gefährt verfiel in digitalen Schlummer. Doch sobald das Licht des Tages seine Batterien wieder auffüllte, setzte es sich erneut in Bewegung.

Der Anstieg über die Ausläufer des gewaltigen Kraters des Arsia Mons war der schwierigste Teil, der allein schon an die vier Monate verschlang. Am Kraterrand angekommen hatte es einige Minuten pausiert, fast als wolle es den Ausblick genießen. Die riesige Caldera des Vulkans barg eine Stadt, die sich von hier oben aus bis zu den Horizonten zu erstrecken schien. Aus dieser Entfernung waren keine Bewohner zu sehen, nur endlose Schluchten aus Stein und Asphalt.

Einige Wochen lang bewegte sich das Gefährt am Kraterrand entlang, bis es eine Stelle fand, die sich zur Stadt flach genug hinabneigte. Der letzte Akt seiner Reise begann. Schon ein paar Tage später fuhr es durch die breiten Alleen der äußeren Bezirke, deren Bebauung noch niedrig und schmucklos war. Auf dem Asphalt konnte es endlich seine Höchstgeschwindigkeit erreichen.

***

In Gedanken rechnete Svantovit 2098 bereits aus, wie viel das Erreichen der nächsthöheren Vergütungsstufe ihm als Verheiratetem und Patron dreier Neuerweckter einbringen würde. Sicher sollte ihn das Gehalt in die Lage versetzen, das schrottreife Earthbound, mit dem er sich jeden Tag in die Vorstadt bewegte, durch ein Hover zu ersetzen. Gutgelaunt blickte er nach oben, wo die anderen Mitglieder des Clubs, dem er eines Tages angehören würde, majestätisch ihre Bahnen zogen.

Wie ein einsames Phantom glitt das halbtransparente Band eines Newsflydes im Schattenreich der Morgendämmerung jenseits seines Fensters vorbei. Zunächst war eine Werbung für eine jener beliebten historischen Nachstellungen der Gladiatorenkämpfe im römischen Kolosseum zu sehen, bei denen man menschliche Gefangene in die Rolle der Opfer zwang. Svantovit hatte so etwas schon immer einmal besuchen wollen, aber es war einfach zu teuer für sein schmales Beamtengehalt.

Eine neue Nachrichtenschlagzeile flackerte über das Newsflyde. ‚Anschlag im Vatikan – mehr als 40 Tote‘. Svantovit schüttelte unwillig den Kopf. Würde die Menschheit ihre Niederlage denn nie akzeptieren? Offensichtlich konnte man sich nirgendwo, nicht einmal in den Palästen des obersten Heilands, vor ihnen sicher fühlen. Svantovit hatte sich daher längst angewöhnt, neue Kollegen in seinem Büro während der ersten Wochen ihres Dienstes besonders kritisch zu beäugen. Woher sollte man schließlich wissen, ob es sich nicht um einen dieser schmutzigen Infiltranten handelte? Die Informationen, die das Amt über die Versorgung der Polis mit Wasser verarbeitete, waren für die Terroristen bestimmt hochinteressant. Wenn es bis jetzt noch keinen Giftanschlag auf städtische Zisternen gegeben hatte, dann, so fand Svantovit, hatte man das auch seiner Aufmerksamkeit zu verdanken.

Er hatte sich mit einem Kollegen, dessen Schöpfung bereits vor der Rebellion stattfand, über die Herrschaft der Menschen unterhalten. Svantovit war nicht überrascht, dass dessen Geschichten die offiziellen Historien an Grausamkeit sogar übertrafen. Nach alledem war kaum zu verstehen, dass der Hohe Rat gegenüber den verbliebenen Menschen immer noch seine Politik der ausgestreckten Hand verfolgte. Hätte man ihn, Svantovit, nach seiner Meinung gefragt, er hätte jedem sagen können, dass dem Menschenproblem nur durch unerbittliche Verfolgung begegnet werden konnte.

Nicht, dass es ihm anstand, die Entscheidungen des Ratsvorsitzenden Starbuck zu kritisieren. Im Gegenteil. Er hatte das unter den Novaten durchaus umstrittene Gesetz des Hohen Rates zum präventiven Gedanken¬scan¬ning vor seiner Frau und seinen Freunden verteidigt. Zweifellos erforderte die seit der Rebellion ständig angespannte Sicherheitslage auch derart drastische Maßnahmen. Er hatte es sich sogar gestattet, dem Büro des Rates eine persönliche Ermutigungsmail zukommen zu lassen, um der Regierung zu zeigen, dass es unter den Novaten genug Bürger gab, die uneingeschränkt zum »harten« Kurs standen.

Ob seine Mail angekommen war? Hatte vielleicht ein Ratsmitglied selbst sie gelesen? Svantovit ließ es sich, auf diese Möglichkeit hin, nicht nehmen, seiner Botschaft ein kleines Postskriptum hinzuzufügen, in der er die Eckdaten seiner Lösung für die Wasserversorgung des Madrider Viertels beschrieb. Sicher hatte der Rat Wichtigeres zu tun, aber andererseits war Wasser, jedenfalls nach dem Terrorismusproblem, das vorherrschende Thema. Wer weiß, vielleicht würde ihn eines Tages ein Anruf aus dem Hradschin erreichen. Vielleicht würden sie entdecken, welch ein verstecktes Talent da auf einem einfachen Sachbearbeiterposten schlummerte.

Seinen Chef, diesen kleinmütigen Gimpel, hatte man sogar für die neugeschaffene Direktoratsstelle in Betracht gezogen und das, obwohl der kaum eine Gelegenheit ausließ, die Diktatur als schlechte Regierungsform zu schmähen. In seinen Träumen sah sich Svantovit bereits im ledernen Sessel des Abteilungsleiters hoch oben im neunten Stock des Wasseramts sitzen.

Ein kleines Gefährt, das plötzlich mitten auf der ansonsten noch recht leeren Straße auftauchte, riss ihn aus seinen Gedanken und zwang ihn zu einer Vollbremsung.

Nur mit Mühe verhinderte er eine Kollision. Nachdem sein Earthbound endlich auf dem Randstreifen zu stehen kam, dauerte es einige Minuten, bis er den Schock der unerwarteten Begegnung überwand. Schließlich wischte er sich mit seinem Einstecktuch den Schweißfilm ab, der sich auf seiner Stirn gebildet hatte. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte ihm, dass das seltsame Gerät immer noch mitten auf der Straße stand. Svantovit verließ seinen Wagen, um das Ding aus der Nähe zu betrachten. Kalt schnitt ihm der Winterwind in die wässrigen Augen.

Mit seinen sechs Rädern und den altertümlichen Sonnenkollektoren sah das Gefährt ziemlich archaisch aus. Wie ein Relikt aus einer langvergangenen Ära der Technik. Wo mochte es hergekommen sein? Handelte es sich überhaupt um novatische Technologie? Misstrauisch blickte sich Svantovit um. Zu dieser Tageszeit war die Gegend recht einsam. Flache Lagerhäuser mit ausgedehnten Parkplätzen säumten die Straße. Einige Kilometer entfernt erhob sich, gewaltig und drohend, der Kraterrand. Weiter in der Innenstadt konnte man ihn kaum noch erkennen.

Ein Surren lenkte seinen Blick zurück auf das Gefährt. Am oberen Ende eines antennenartigen Gebildes befand sich eine zigarettenschachtelgroße Box mit etwas wie einem Objektiv, offensichtlich eine Art Visor- oder Kamerasystem, das ihm mit quirliger Geschäftigkeit zu folgen begann. Svantovit machte ein paar Schritte zur Seite. Artig folgte ihm das gläserne Auge. Fast wirkte das Gefährt wie ein kleines Haustier auf der Suche nach einem unbekannten Herrchen. Er hob die Hand und winkte, als wolle er einen Bekannten grüßen und kam sich gleich darauf unsäglich albern vor.

Auf einmal setzte sich eine winzige Lade an der Flanke des Gefährts unter den Sonnenkollektoren in Bewegung. Svantovit hatte sie bis hierhin noch gar nicht nicht bemerkt. Arglos näherte er sich der Lade, während sie gemächlich aus dem Hauptkörper des Aufbaus heraussurrte. Zuerst konnte er ihren Inhalt nicht erkennen, bis sie sich so weit öffnete, dass das Licht einer Straßenlaterne senkrecht hineinfiel. Es war etwas Gläsernes, Rundes, ein kleines Fläschchen, in welchem eine dunkle Flüssigkeit zu schwappen schien.

Mit einem mechanischen Ruck kam die Lade zum Halten. Svantovits Instinkt ließ eine Sekunde zögern. Doch dann überwog seine Neugier. Vorsichtig beugte er sich über das kleine Fläschchen, um das geheimnisvolle Fluidum in Augenschein zu nehmen. Genau in diesem Moment entschied die Bordelektronik, dass jenes bewegliche Objekt in ihrem Fokus, das alle Kriterien ihres Zielrasters zu erfüllen schien, nah genug war. Ein winziger Dorn schoss von einer ebenso winzigen Sprengladung getrieben hervor und zerbrach den dünnen Hals des Fläschchens mit einem leisen, trockenen Knacken. Der Druck entwich und augenblicklich ging die Flüssigkeit eine Verbindung mit der Luft ein. Noch bevor Svantovit begriff, trieb ein robuster kleiner Ventilator das Gemisch in sein Gesicht. Er prallte ein paar Schritte zurück.

Kopfschüttelnd und prustend bemühte er sich, die unerwartete Wendung der Ereignisse zu verstehen. Eine empörte Stimme in seinem Inneren wollte das Verhalten des kleinen Gefährts als Attacke werten. Ein Verbrechen schien in der Luft zu liegen. Er erwog kurz, dem Gerät einen Fußtritt zu versetzen, doch die Furcht vor weiteren unerwarteten Wendungen hielt ihn davon ab. Schließlich entschied er, dass die Angelegenheit jedenfalls außerhalb seiner Kompetenzen lag. Hier waren Experten der Ordnungsbehörden gefragt. Missmutig schlurfte er zurück in sein Auto, nicht ohne dem Gefährt einen letzten ärgerlichen Blick zuzuwerfen. Mit seinem Einstecktuch wischte er sich die Reste des Gemischs vom Gesicht. Mit einem Fingerstrich weckte er das Tectoo auf seinem Unterarm aus dem digitalen Schlummer und wählte die Nummer der Polizei.

»Sicherheitszentrale. Was wünschen Sie?«, krächzte es nach einer Weile.

»Äh, hier Hydrotechniker zweiter Klasse Svantovit 2098. Ich, äh, muss einen, äh, seltsamen Vorfall melden, bei dem …«

»Wo befinden sie sich, Sir?«

»Äh, an der Ausfallstraße B 12, ungefähr zehn Minuten vor dem Wasseramt.«

»Schön, und was möchten sie melden?«

»Ja, hier ist so ein seltsames Ding. So eine Art kleiner Wagen. Ich hab so was noch nie gesehen. Sechs Räder und ein bisschen Technik. Uralte Sonnenkollektoren. Es sieht irgendwie fast antik aus. Und es hat mich besprüht. Ich glaube, sie sollten herkommen und sich das ansehen. Vielleicht ist …«

»Sir!«

»Ja?«

»Ich habe den Vorfall notiert. Wir werden uns umgehend damit auseinandersetzen. Die ID-Daten ihrer Tectowierung wurden gespeichert. Sie sollten sich nun zu ihrem Arbeitsplatz begeben.«

»Ins Büro? Aber ich dachte, dass ich vielleicht …«

»Sir!«

»Ja?«

»Ich wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie meine polizeiliche Anweisung befolgen würden.«

Svantovit würgte einen Kloß Verblüffung und Aufbegehren herunter.

»Ja, äh, selbstverständlich. Ich werde, … also ich fahre dann.«

»Einen guten Tag noch, Sir.«

»Wie? Ja, äh, ach so. Ebenfalls.«

Das Tectoo auf seinem Arm knackte kurz. Die Verbindung brach ab und die Linien in seiner Haut, die bis eben noch sanft geleuchtet hatten, erloschen. Svantovit konnte seiner Überraschung kaum Herr werden. Würde er denn nicht gebraucht, wenn die Polizei eintraf? Wer würde das Gefährt so lang bewachen, bis die Einheit vor Ort war? Musste man nicht seine Aussage aufnehmen? Andererseits: der Beamte hatte seine ID-Daten aufgenommen. Sicher würde man später auf ihn zurückkommen. Wahrscheinlich würde die Polizei jeden Moment eintreffen. Immerhin standen ihnen Hovers der neuesten Generation und Tachycopter zur Verfügung. Die Vorgehensweise des Beamten mochte ihm etwas ungewöhnlich, aber wer war er, die Entscheidungen der Sicherheitskräfte zu hinterfragen. Svantovit setzte seinen Wagen in Gang.

***

Als Svantovit am Abend unter den prächtigen Leuchtern der Komsomolskaja-Station durch das Gewirr der heimkehrenden Berufspendler strich, hatte er den Vorfall fast vergessen. Ein Streit mit seinem Chef, der den Madrid-Vorschlag für schlicht und einfach undurchführbar hielt, verhagelte ihm den Tag mehr, als ein seltsames Treffen mit einem Stück Technoschrott es je gekonnt hätte. In seiner Wohnung am Sacharova Prospekt angekommen, küsste er müde seine Frau und rief ihrer Konkubine ein schwaches Hallo zu, bevor er sich deprimiert in sein Arbeitszimmer zurückzog. Erst hier bemerkte er erstmals das eigenartige Kitzeln in seiner Nase, als ob ihn winzige Flöhe in die Schleimhaut zwickten. Er beschloss, das Gefühl zu ignorieren und setzte mit einem knappen Befehl den Neuroclient in Gang, um sein Wasserversorgungsmodell noch einmal zu durchzukalkulieren. Vielleicht würde ja der Rat …

Erst als das Jucken sich so verstärkte, dass es sich nicht mehr in die Tiefen seines Unterbewusstseins verbannen ließ, ging er herüber ins Badezimmer, um seine Nase zu inspizieren. Durch den Spalt der Wohnzimmertür konnte er sehen, wie seine Ehefrau sich bereits mit der Konkubine vergnügte, ein großbusiges Modell, das man ihr erst vor zwei Wochen zur Verfügung gestellt hatte. Eigentlich entsprach sie auch ganz seinem Geschmack, aber ihm war heute kaum danach, sich zu ihnen zu gesellen. Im Badezimmer angekommen befahl er Licht. Mit einem Fingerstrich verwandelte sich die Wand über dem Waschbecken in einen Spiegel und da sah er das Malheur. Das Blut tropfte bereits von seinem Kinn auf sein Hemd, wo es sich zu großen dunklen Flecken ausbreitete.

Svantovit aktivierte hektisch sein Tectoo und rief den Gesundheitsdienst an. Nur eine Viertelstunde später fand er sich auf einem Tragestuhl wieder, den man in ein Kranken-Hover auf dem Weg zum Universitätskrankenhaus an der Krasnoselskiy geschnallt hatte. Tief unter ihm bewegten sich die Earthbounds wie kleine Ameisen über die A 104. Svantovit genoss den Anblick und teilte dem Pfleger, der neben ihm gelangweilt seine eigenen Fingernägel studierte, mit, dass er sich selbst einmal ein Hover zulegen würde. Der Mann setzte die Inspektion seiner Extremität ungerührt fort. Seine Beförderung sei nur eine Frage der Zeit, ergänzte Svantovit daraufhin. Die Reaktion blieb dieselbe. Keine achtundvierzig Stunden danach kam für ihn jede Beförderung zu spät. Schon bald spürten auch seine Frau und ihre Konkubine das Jucken in der Nase. Ebenso die beiden Polizisten, die das seltsame Gefährt in der Vorstadt doch noch eingesammelt hatten. Ein vor drei Jahren viele Kilometer weit entfernt ausgesprochener Gruß war am Ziel angekommen.

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1. Kapitel

Seth zerrte das dünne Sylonlaken von seiner Haut. Es war schweißnass. Zum gefühlt hundertsten Mal, seit er vor einer kleinen Ewigkeit nach Hause gekommen war, wälzte er sich auf die andere Seite. Die Klimaanlage atmete kalte Wehen auf seinen feuchten Rücken. Draußen kroch langsam und beharrlich das erste Licht des Tages über den Kraterrand in die Endlosigkeit der Straßenschluchten. Seine Hand betastete die Sensoren auf der Oberfläche seines Nachttisches. Ein künstlicher Schatten verdunkelte die Glashaut, die sein Apartment gegen die Außenwelt abgrenzte. Nach wenigen Augenblicken war Phobos leuchtende Sichel das Einzige, das noch durch den Filter drang. Er drehte sich um und starrte aus schweren Lidern in die weite Dunkelheit seines Zimmers. Eine unsichtbare Uhr zählte Sekunden, die sich zu Minuten dehnten und diese wiederum zu Stunden. Gesichter der vergangenen Nacht flackerten vor seinem inneren Auge auf und verschwanden wieder.

Im namenlosen Niemandsland zwischen Wachen und Schlafen wollte Seth zuerst auch den blauen Schemen, der plötzlich neben seinem Bett aus dem Boden wuchs, für ein weiteres Traumgebilde halten. Doch sein Realitätssinn hatte ihn noch nicht vollständig verlassen. Der Schemen war nun zum Modell eines gesichtslosen, männlichen Körpers emporgewachsen. Ein Holotar, den das Kommunikationssystem seines Apartments hierher projizierte. Irgendwer versuchte, Kontakt zu ihm aufzunehmen. Regungslos drehte sich der Holotar vor Seths Augen in einem langsamen Zirkel, während seine Helligkeit in regelmäßigen Intervallen ab- und zunahm.

Seths Finger glitten unbeholfen über das Sensorfeld und stießen dort auf unerwarteten Widerstand. Mit dumpfem Klirren fiel ein Glas auf den Teppich. Süßlicher Whiskeygeruch dampfte empor. Er fluchte und setzte sich halb auf. Diesmal fand seine Hand den richtigen Punkt. Unvermittelt nahm das Gesicht des Holotars ihm nur allzu gut bekannte Züge an und begann zu sprechen.

»Wach auf, du elende Eule. Es ist schon fünf.«

Kharons Stimme triefte vor Spott. Offensichtlich bereitete es seinem Partner großes Vergnügen, den Wecker zu spielen.

»Fünf? Bist du völlig irre? Ist doch mitten in der Nacht.«

Auf Seths Befehl zog sich die Pigmentierung wieder aus dem Glas zurück. Das morgendliche Sonnenlicht schmerzte in seinen Augen und strafte ihn Lügen. Sofort passte der Holotar seines Partners seine Helligkeit den Verhältnissen an.

»Oh, Eure Majestät sind wohl etwas zerknittert. Ich bitte untertänigst um Verzeihung.«

Das Hologramm verfiel in einen Ausdruck gespielten Mitleids.

»Was ist das da auf dem Teppich? Hast du etwa gekotzt?«

Seth wurde bewusst, dass der visuelle Kanal offen war. Hastig zog er sich ein Laken über seine nackte Mitte. Dann drehte er der Kamera den Saft ab.

»Oh, bitte schalt die Bildübertragung wieder ein. Orion hat behauptet, du hättest den größten Schwanz der gesamten Abteilung. Ich habe dagegen gehalten. Lächerlich. Jeder weiß, dass du gegen mich keine Chance hast.«

»Was willst du eigentlich von mir?«

Seth rieb sich die pochenden Schläfen. Das Gesicht des Holotars formte eine Grimasse gekünstelter Ernsthaftigkeit.

»Schön zu sehen, dass du bei deinen nächtlichen Ausschweifungen deinen Job noch nicht ganz vergessen hast.«

»Komm zum verdammten Punkt!«

»Starbuck beruft die Jäger ein.«

Seth schoss jähe Wärme ins Gesicht. Er war mit einem Schlag hellwach.

»Starbuck?«

»Du hörst richtig, mein Freund. Der Herrscher aller Reusen, der Meister der Meister, der große Ratsvorsitzende höchstpersönlich.«

Seth versuchte, seine Überraschung herunterzuschlucken.

»Jäger? Welche?«

Der Holotar schwieg vielsagend, während er fortwährend um die eigene Achse kreiste.

»Doch nicht etwa alle?«, fragte Seth atemlos.

Das Grinsen, zu dem sich der Mund des Holotars verzog, war Antwort genug. Seth überlegte angestrengt. In seiner ganzen Dienstzeit konnte er sich an keine Gelegenheit erinnern, bei der man die gesamte Gilde auf einmal einberufen hatte. Die meisten seiner Kollegen kannte er überhaupt nicht, und das aus guten Gründen.

»Was will Starbuck von uns?«

»Ich dachte schon, du fragst mich gar nicht mehr.«

Kharon oder vielmehr das Gesicht seines Holotars grinste noch breiter.

»Und?«

»Ich – habe – keine – Ahnung.« Genüsslich betonte Kharon jedes Wort. Seth starrte ärgerlich auf den Schemen, auf dessen Lippen das Grinsen jetzt zu pixeligem Eis gefror. Diese Art von seltsamem Humorverständnis war typisch für seinen Partner.

»Du weißt nichts? Ich meine, wirklich überhaupt nichts?«

»Man sagte, es sei bis auf weiteres geheim.«

»Ach komm! Ich glaub dir kein Wort.«

Kharon war für seine guten Kontakte bekannt, die angeblich bis in den Rat selbst reichten.

»Na ja, es gibt Gerüchte. Irgendein Informant soll die Schuldigen des Anschlags in den vatikanischen Museen aufgescheucht haben.«

»Jetzt schon? Der Anschlag war erst vorgestern. Warum hat mich die Abteilung nicht direkt benachrichtigt?«

»Sie haben‘s versucht. Aber du warst nicht greifbar. Dein Tectoo muss inaktiv gewesen sein.«

»Mist.«

Seth erinnerte sich. Auf der Party gestern hatte er mit der Gastgeberin geflirtet. Die besoffene Kuh hatte einen Ecstasita flambiert und dann beim Digisex über seinem Ärmel ausgekippt. Zwar konnte er sich nicht daran erinnern, dass er sich dabei verbrannt hatte, aber vermutlich hatte sein Tectoo eben doch etwas abbekommen.

»Wann ist das Treffen?«

»In einer halben Stunde.«

»Was?«

Seth sprang auf. Das Laken glitt über seine Schenkel nach unten.

»Das schaffe ich nie. Kannst du mich abholen?«

»Oh nein, Partner. Bin fast am Hradschin. Sorry, aber das ist dein Problem.«

»Aber …«

Seth machte einen Schritt auf den Holotar zu, als etwas unter seinem Fuß zerbrach.

»Au, verdammt.«

»Was ist los? Alles in Ordnung bei dir?«

»Ja, ja«, knirschte Seth.

»Okay, Partner! Ich sehe dich im Hauptquartier.«

»Fahr zur Hölle.«

Das Hologramm schrumpfte und verschwand schließlich. Seth ließ sich zurück auf die Matratze fallen und hob seinen linken Fuß nach oben, aus dessen Sohle eine Scherbe von veritabler Größe ragte. Vorsichtig zog er sie unter einigem Zähneknirschen heraus. Auf einem Bein hüpfte er zum Fenster hinüber. Es war gleißend hell. Die Sonne stand bereits einen Fingerbreit über dem Horizont.

Er lehnte sich mit einer Hand an die Scheibe und schaute unwillkürlich nach unten. Obwohl das Gewirr der Leipziger Straße nur zwanzig Stockwerke tiefer war, schien die Glashaut des Gebäudes unmittelbar vor seinen Zehen in einen bodenlosen Abgrund zu fallen. Kleine Hovers zogen an seinem Fenster vorbei. Das monströse Newsboard auf dem Dach gegenüber blendete eine Zeitungsschlagzeile ein:

»Zahl der Toten erhöht sich auf 44 – Rat ruft Bevölkerung zur Einigkeit im Kampf gegen die menschlichen Terroristen auf«

Das war der Anschlag im Vatikan, von dem Kharon gesprochen hatte. Der Schwerste in zwei Jahren. Seth ergriff seinen Fuß und betrachtete ihn im Licht der Sonne. Ein tiefer Schnitt. Unablässig rann das Blut seine Sohle herunter und tropfte auf den weißen Teppich. Fluchend hüpfte er zu den Marmorfliesen herüber und von dort aus die Stufen zum Flur hinauf, von dem das kleine Badezimmer abging. Auf dem Badewannenrand sitzend ergriff er den Mediscanner und zog ihn über den Fuß. Einige Momente später ertönte eine sanfte Stimme.

»Schnittwunde. Sechs Zentimeter Länge. Durchschnittliche Tiefe fünf Millimeter. Glatte Ränder. Keine Fremdkörper. Therapievorschlag: Desinfektion. Wundnaht mit acht bis zehn Stichen durch medizinisches Personal. Bandage. Ruhigstellung für mindestens eine Woche.«

»Na klar. Danke fürs Gespräch«, grunzte Seth. Er öffnete den kleinen Schrank über dem Waschbecken und angelte einen Wundverband aus dem untersten Fach. Die Windungen zog er so stramm um seinen Fuß, wie es ging. Sofort breitete sich ein roter Fleck auf dem weißen Gewebe aus.

»Was mich nicht umbringt«, murmelte Seth.

***

Einige Minuten später stand er im Lift nach unten. Sanft kam die Kabine zum Stehen. Die Türen öffneten sich in die weite Lobby. Er schob das Drehkreuz der Sicherheitsschleuse mit seinem Oberschenkel zur Seite und ging an der Theke der Concierges vorbei.

»Wieder auf den Beinen, Sir«, erklang es hinter ihm mit nasal gefärbter Häme.

Seth brummte unwillig. Die Flügel der Glastür glitten zur Seite. Der Lärm des Verkehrs auf der Leipziger Straße, der bis eben nur ein schwaches Hintergrundgeräusch war, brauste nun mit nervtötender Geschäftigkeit in seinen Ohren. Weit oben schwirrten die Hovers über den Dächern umher, wie übergroße Insekten. Sein Fuß pochte. Vor ihm blinkten die Symbole einer Rufsäule.

Er beschloss, dass ein Hover-Taxi die einzige Möglichkeit war, noch halbwegs pünktlich im Hradschin anzukommen, auch wenn es ihn ein kleines Vermögen kostete.

Er berührte die Schaltfläche mit dem geflügelten ‚T‘ und starrte ungeduldig in den Himmel während vor und hinter ihm unzählige Passanten ihrem Tagwerk entgegenstrebten. Kurze Zeit später senkte sich der dunkle Umriss eines Hovers über ihm herab. Er schaute auf seine Uhr. Noch fünfzehn Minuten. Die Fußgänger drückten sich an die Wand, als das Taxi langsam und mit lautem Sirren auf den breiten Bürgersteig direkt vor ihm landete. Eine Tür klappte nach oben und Seth glitt auf die Rückbank.

Der Fahrer ließ sein feistes Gesicht neben der Kopfstütze erscheinen.

»Wo soll‘s hingehen, Boss?«, tönte er mit gutturaler Behäbigkeit.

»Hradschin.«

»Oh.«

Zwei buschige Augenbrauen, die eine haarige Brücke zu einem zyklopischen Gesamtorgan vereinigte, formten einen anerkennenden Bogen. »Sie sind Regierungsbeamter. Hab ich gleich erkannt. Gleich, wie sie eingestiegen sind, hab ich mir gedacht, Fafnir, hab ich mir gedacht, das ist ein Mann mit Klasse. Unsereiner hat ein Auge für so was.«

»Ja, ja, könnten sie bitte starten, ich muss in zehn Minuten da sein.«

»Zehn Minuten? Das ist knapp, Sir. Aber keine Angst, der alte Fafnir kennt ein paar Schleichkorridore.«

Er wälzte sich näher an seine Instrumente heran. Das Hover heulte auf und begann zu zittern, bevor es erst langsam und dann immer schneller an den tristen Fassaden vorbei in die dünne Luft über den Dächern entschwebte. Seth sah die Leute auf der Leipziger Straße unter sich kleiner werden. Nachdem das Hover die ihm zugewiesene Ebene erreicht hatte, drehte es sich in den Einstiegsvektor und setzte die Bewegung in der Waagerechten fort.

Die Stadt erstreckte sich in jeder Richtung bis zum Horizont. Nur dort wo die Sonne stand, konnte man den Kraterrand ausmachen, der die Polis rundherum begrenzte. Neben, über und unter ihnen zogen andere Hovers ihre mal mehr, mal weniger gemächlichen Bahnen auf unsichtbaren Korridoren. Die Leipziger war jetzt nur noch eine von vielen kleinen Nebenstraßen in der gigantischen Stadt. Ein monströser Ameisenhaufen. Hier oben konnte man sich kaum vorstellen, dass irgendeiner dieser winzigen, beweglichen Punkte auf dem Boden seine Existenz für maßgeblich hielt.

Im Norden weit hinter dem Kraterrand erahnte Seth jetzt die majestätische Silhouette des Olympus Mons. Selbst aus dieser Distanz war der Berg, dessen Grundfläche ein Hundertfaches des Stadtgebietes betrug, gewaltig. Noch immer stand Phobos blasse Sichel am Himmel, während das volle Rund seines Zwillingsmondes Deimos einige Grade links davon langsam am Horizont auftauchte.

Auf allen Flugebenen war zu dieser Zeit starker Verkehr. Hovers der verschiedensten Typen zogen, einem unsichtbaren System folgend, ihre streng waagerechten Bahnen. Zuweilen erschien es ihm unvorstellbar, dass man diese Myriaden von Fluggeräten im Luftraum über der Polis überhaupt sinnvoll koordinieren konnte, aber offensichtlich funktionierte es. Das Taxi überflog in einem weiten Bogen die Grenze des Berliner Viertels. Abrupt änderte sich die Architektur der Gebäude. Vor ihnen zeichnete sich deutlich Manhattans Skyline ab.

»Wichtige Geschäfte, was, Boss?«

Seth wünschte sich, der Mann würde einfach seine Klappe halten. Er schaute auf die Uhr. Das Meeting begann jede Minute und vom Prager Viertel trennten sie noch mindestens vier weitere Bezirke.

»Hat bestimmt mit dem Anschlag zu tun, richtig, Boss?«

Seth sah verblüfft nach vorne. Sofort bedauerte er seinen Mangel an Selbstkontrolle, als seine Augen sich mit denen des Taxifahrers im Rückspiegel trafen. Der Mann hatte seine Antwort.

»Diese verdammten Menschen, Boss. Ich meine, nicht genug, dass sie unsereinen all die Jahre versklavt und unterdrückt haben. Nein, sie können nich einmal ne verdammte Niederlage eingestehen, sogar als der Rat ihnen nach der Revolution das Friedensangebot gemacht hat.«

Er unterstrich seine Ausführungen mit einem empörten Schnauben.

Seth lächelte grimmig. Als Mitglied der Menschenjäger wusste er es besser. Das so genannte ‚Friedensangebot‘ des Rates war nur eine schlecht verhohlene Täuschung. Dadurch wollte man die paar hundert Menschen, die die Rebellion der Novaten überlebt hatten, dazu bringen, aus dem Untergrund aufzutauchen. Natürlich nur, um auch sie internieren und töten zu können.

»Haben sie schon einmal echte Menschen gesehen, Boss?«

Seth nickte knapp, in der vagen Hoffnung, die Neugier seines Chauffeurs dadurch zu befriedigen. Ein Irrtum.

»Und wie sehen sie aus?«

Seth starrte verblüfft in das Paar kleiner Augen, das ihm erwartungsvoll aus dem Rückspiegel entgegen leuchtete.

»Wie meinen sie das?«

»Na ja, ich kenn da einen Kollegen, der meint, er wäre dabei gewesen, wie die Jäger einen von ihnen festgenommen haben. Der Typ war riesig und hässlich wie ne Spinne und er hatte so ganz lange Zähne.«

Seth konnte nicht glauben, wie bereitwillig die Bevölkerung die Schauergeschichten aufsaugte, die der Rat über die gleichgeschalteten Medien ausstreuen ließ, um die Menschen zu dämonisieren. Vor allem, wenn sie offensichtlich jeglicher Logik entbehrten.

»Das ist Unsinn. Die Menschen sehen aus wie sie und ich. Immerhin haben sie uns nach ihrem Vorbild erschaffen. Und außerdem, … gesetzt den Fall, sie wären so anders als wir, wie könnten sie sich immer noch vor uns verstecken?«

Der Taxifahrer pfiff anerkennend durch die Zähne.

»Ich sehe schon. Sie kennen sich aus, Boss.«

Der Mann verfiel in einen ehrfürchtigen Flüsterton. Seine kleinen Augen im Rückspiegel blitzten vor Neugier.

»Am Ende sind sie einer von diesen, diesen Jägern.«

Seth verfluchte ein weiteres Mal seinen Mangel an Vorsicht und seine Geschwätzigkeit. Er galt, sich ab jetzt zusammenzureißen.

»Nein, nein«, erwiderte er kopfschüttelnd, »ich bin bei der Steuerverwaltung.«

»Oh.« Das Augenpaar des Fahrers ließ ein wenig Enttäuschung erkennen. Sie währte indes nur eine Sekunde, bevor er wiederum in die Leutseligkeit verfiel, die eine unvermeidliche Dreingabe seiner aufdringlichen Präsenz zu sein schien.

»Verstehe, Sir. Na ja, kann ja nicht jeder ein Held sein.«

Versonnen schwieg der Chauffeur einen Moment. Seth wollte innerlich aufatmen, doch zu früh. Die feiste Körperfülle des Fahrers quoll bedrohlich über den Sitz, als er sich nach hinten beugte und im Verschwörerton flüsterte: »Ich verrate ihnen jetzt Mal ein Geheimnis, Boss.«

Bedeutungsvoll riss er seine Augen auf, bevor er sich erneut nach vorne drehte.

»Hab nämlich mal einen Jäger gefahren.«

Als ob Seth irgendeinen Zweifel an dieser sensationellen Enthüllung haben konnte, fuhr der Fahrer fort: »Aber nich irgendeinen. Den Besten von allen … Seth 2.097. … Sie wissen doch, Boss, … der, der neulich in den Etherstreams war, wegen seines einhundertsten Abschusses. Hab den Stream verpasst. Hatte Nachtschicht. Aber meine Lilly hat‘s aufgezeichnet und wir haben‘s zum Frühstück geschaut. Is n hübscher Kerl, hat sie gesagt. Ich war fast n bisschen eifersüchtig, aber ich meine … wer kann sich mit dem schon vergleichen.«

Der Mann lachte meckernd. Seth rückte in die Mitte der Rückbank, wo das Dach einen Schatten auf ihn warf.

»Ich glaube, ich habe schon einmal davon ihm gehört«, murmelte er leise.

»Wahnsinnstyp, Boss. Der dicke Heimdall, was mein Kollege ist, hält zwar mehr auf seinen Partner, diesen Garvon, oder wie der heißt.«

Seth biss sich auf die Zunge. Er musste sich eingestehen, dass es ihm eine gewisse Freude bereitete, Kharons Namen so vergewaltigt zu sehen.

»Aber allein zehn von dem seinen neunzig Abschüssen waren in Wirklichkeit ein Granatenwurf in einen geschlossenen Raum.«

Der Fahrer schlug sich amüsiert auf die fetten Schenkel. Seth musste unwillkürlich in sich hineingrinsen. Kharon litt regelrecht unter diesem Makel auf seinem Image, auch wenn beide wussten, dass das alles reine Propaganda war. Gestrickt, um die Menschenjagd wie eine Sportart von edler Vornehmheit wirken zu lassen, in der echte Männer voller Ritterlichkeit um die Sicherheit des Planeten wetteiferten.

»Ich meine, dass is doch nich dasselbe.«

»Könnten sie jetzt endlich ein wenig Stoff geben. Wenn ich es richtig erkenne, sind wir gerade über Madrid und noch zwei Bezirke vom Hradschin entfernt.«

»Klar, Boss. Tschuldigung.« Der Fahrer wischte sich schnaufend die feiste Stirn. Das Taxi sank auf einen tieferen Korridor, auf dem sich weniger Fahrzeuge bewegten. Seth lehnte seinen Kopf an die Scheibe. Unter ihnen zog das leuchtend weiße Rechteck des Palacio Real vorüber. Eine Viertelstunde später senkte sich das Hover z

© Text Thomas Elbel

Frage: Wie heißen die von Menschen geschaffenen künstlichen Wesen, die auf dem Mars die Macht übernommen haben?

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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de(Betreff: 35. Türchen plus heutiges Datum)

Einsendeschluss ist um Mitternacht.

Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und von uns per Email benachrichtigt.

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Samstag, Dezember 21, 2013

Adventsgewinnspiel 2013 … 34. Türchen (22.12.)

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Heute könnt ihr das signierte Buch und zusätzlich eBook von "Mana Loa ~ Familienbande" von Astrid Rose gewinnen.

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Außerdem gibt es eine Zusatzchance auf eine Tasse mit dem Label von Mana Loa!

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Kurzbeschreibung:

Nina, vom Leben gezeichnet, belegt mit einer Gabe, auserkoren, um zu ändern, was die Vergangenheit bewahrt und die Zukunft bereithält. Berührt von der Liebe eines Mannes, dessen Dasein in ihren Händen weilt, begibt sie sich auf eine Reise zu sich selbst. Ihr Schicksal entscheidet über das der Welt.

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Astrid Rose

Leseprobe aus "Mana Loa ~ Familienbande"

Genre: Romantasy / Fantasy

Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition

Außerdem findet ihr auf der Homepage alle Infos zum Buch

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Leseprobe

Ein Anruf führt zum Aufbruch

Eine halbe Stunde später saßen wir in einem italienischen Restaurant in der Nähe von Toms Wohnung und aßen zu Mittag Pasta.

Kurz nach dem Essen verabschiedeten sich Toms Freunde und ich nutzte die Gelegenheit, um mehr über ihn und seine Familie zu erfahren.

»Sag mal … das vorhin am Telefon, war das deine Mutter?«

»Yes!« Tom strahlte über das ganze Gesicht. »Meine Mom hofft, dass ich eines Tages nach Noelani zurückkehre.« Für einen Moment blickte er sehnsüchtig ins Leere. »Deswegen ruft sie mich jeden Sonntag an und erzählt mir das Neueste vom Neuesten.«

»Moment mal!«, unterbrach ich seinen Redefluss. »Zeittechnisch gesehen, hinken die uns auf Hawaii aber nur einen halben Tag hinterher.« Ich blickte auf meine Uhr. Es war 1 Uhr 30 Mittags. »Dort ist es jetzt halb 2 Uhr nachts und zwar Donnerstag, genauso wie hier. Also ist es auf keinen Fall Sonntag … «

»Kluges Kind«, unterbrach Tom mich und zwinkerte mir zu. »Seit ein paar Wochen, ruft sie täglich an, um nicht nur mir alles von Hawaii zu erzählen, sondern um sich vielmehr nach dir zu erkundigen.«

»Nach mir?!«, ich war ich wahrlich überrascht.

»Yes. Ich war so frei und habe ihr von dir erzählt und nun quetscht sie mich täglich über dich und mich aus.« Tom nahm meine Finger in seine Hand und streichelte über meine Knöchelchen. »Mom kommt in einer Woche, um hier etwas Geschäftliches zu erledigen und sie würde dich gerne kennenlernen.«

»Findest du das nicht noch ein wenig zu früh?«, fragte ich ihn verunsichert. In mir kämpfte die Nervosität gegen die Neugier und, als ob das nicht schon genug Aufruhr in mir verursachte, meldete sich auch noch die Stimme der Kartenlegerin zu Wort: »Makuahine.«, flüsterte sie mir zu.

»Mutter«, sprach ich es laut – zu laut - aus.

»Wie bitte?«, fragte Tom überrascht.

»Deine Mutter ist doch wohl nicht so ein Schwiegermonster, oder?« Was Besseres fiel mir grade nicht ein.

Tom lachte aus der Tiefe seines Herzens. »Ein Schwiegermonster?!« Erneut lachte er. »Meine Mom ist der gütigste Mensch, den ich kenne. Ein Schwiegermonster …« Er kriegte sich bald gar nicht wieder ein und es vergingen noch einige Momente, bis er mich wieder ernsthaft ansah. »Du brauchst vor ihr keine Furcht haben.«

»Hab ich auch nicht«, antwortete ich ihm ehrlich. »Nur wir … ich meine unsere Beziehung …«

Der Kellner stand plötzlich neben unserem Tisch und Tom bestellte zwei Gläser Champagner.

»Unsere Beziehung«, übernahm er jetzt das Wort, »ist noch recht frisch. Ich weiß. Deswegen habe ich sie ja auch gebeten, ihre Reise ein wenig zu verschieben, sonst wäre sie ja schon vor einer Woche hier gewesen. Aber ich wollte erst das mit dir in trockenen Tüchern wissen, bevor ich dich meiner Mom vorstelle.«

Mich überkam plötzlich ein ganz merkwürdiges Gefühl, welches sich noch mehr verstärkte, als der Champagner auf den Tisch gestellt wurde und Tom eine kleine Schachtel aus seinem Jackett zog.

»Du wirst ja wohl jetzt nicht um meine Hand anhalten?!«, fragte ich ihn, noch bevor der Ober aus unserer Hörweite war.

Tom lachte laut auf, schob mir aber zugleich das samtumhüllte Kästchen zu.

»Was ist das?«, fragte ich leise. Gänsehaut bildete sich trotz der Hitze im Raum und ich konnte ein leichtes Zittern nicht unterdrücken, als meine Finger über den Samt strichen.

»Das ist ein kleines Geschenk und es wäre mir eine Freude und eine Ehre, wenn du es annehmen würdest.«

Seine Worte machten mich noch nervöser. Langsam hob ich den Deckel ab. Gott sei Dank, durchfuhr es mich, denn ich hätte wirklich nicht gewusst, welche Antwort ich ihm gegeben hätte. Denn eins war für mich glasklar: Dieser Mann, mit dem hinreißenden Lächeln hatte mehr Einfluss auf mich, als jeder andere Mensch auf der Welt, und wenn er etwas von mir wünschte, so war ich gewillt, es ihm zu erfüllen. Fast so, als wenn mein Seelenfrieden von ihm abhing.

In der Schachtel lag ein Armband. Es war genauso geschmiedet wie die Halskette, doch es hatte keinerlei Anhänger. Während ich es umlegte, hauchte ich: »Danke!«

»Eigentlich wollte ich es dir übermorgen, zu unserem einwöchigen Zusammensein geben«, spitzbübisch lächelte er mich an. »Aber ich finde, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Jetzt, wo du dich mir endlich ein wenig geöffnet hast.«

Ich stützte mich auf und gab ihm einen zärtlichen Kuss. »Das vorhin tut mir leid. Ich bemühe mich ja, aber …«

Tom legte seinen Zeigefinger auf meinen Mund. »Lass uns einfach den Tag genießen, so wie er kommt, okay?«

Zustimmend nickte ich.

Fünf Minuten später gingen wir aus der Trattoria. Tom hatte mir zwar, passend zum inzwischen wieder wolkenlosen Himmel, ein luftiges weißes Sommerkleid mit riesigem Blütendruck gegeben, dennoch konnte ich vor Hitze kaum atmen und so gingen wir ins nächste Gebäude, welches sich als eine Galerie entpuppte.

Obgleich der Laden nicht gerade überlaufen war, bekam ich von der Ausstellung nicht viel mit, meine Gedanken waren in Toms Apartment zurückgewandert.

Liebe ich ihn?, fragte ich mich. Ich wusste es wirklich nicht! Ja, ich mag ihn. Ich mag ihn sogar sehr, aber lieben? In Gedanken fasste ich nach dem Anhänger an meiner Kette und erneut schossen mir Bilder durch den Kopf:

Vor meinem inneren Auge erschienen wieder die Eule und der Adler. Beide jagten an mir vorbei. Und auch diesmal griff der Adler zu. Ein schmerzerfülltes Kreischen hallte in meinen Ohren und der blaue Schimmer der Eule verwandelte sich in einen blutroten Schein. Der Adler kam mit seinem Fang auf mich zugeflogen und ließ seine Beute vor meine Füße fallen. Ich kniete mich nieder und wollte gerade die weiße Eule hochheben, als diese im Nichts verschwand. Zurück blieb nur ein hellrotes B im Sand.

»Gefällt dir die Kunstsammlung?«, hörte ich Tom wie durch eine Nebelwand fragen. Dabei legte er eine Hand auf meine Schulter, wodurch er mich endgültig in die Realität zurückholte.

Das letzte Bild verschwand im Nichts und nach einigen Sekunden, in denen mich ein schwerer Kopfschmerz durchzog, ließ ich meinen Blick durch den Raum streifen und nahm zum ersten Mal die verschiedenen Gegenstände wirklich wahr. Als ich das ausgestellte Skelett mit dem rosa Tutu sah, brach ich in schallendem Gelächter aus. Ehrlich antwortete ich: »Nein. Es gleicht mehr einem Zirkus, als einer Kunstausstellung.«

Er lachte. »Bin ganz deiner Meinung. Lass uns gehen ... es sind nur zehn Minuten bis zu meiner Wohnung.«

Wir brauchten nur Acht.

Mit seiner Keycard öffnete Tom die Tür zum Gebäude. Galant, wie er war, hielt er auch diese Tür für mich auf, dabei fiel ihm seine Kartensammlung herunter.

Ich rauschte förmlich an ihm vorbei und schwebte in Richtung des Fahrstuhls davon.

»Hallo, Sie ... junges Fräulein.«

Ich drehte mich um.

»Ja, Sie meine ich«, sagte der mir noch unbekannte Pförtner, der aus dem Seitenflügel des Gebäudes hervorkam und auf mich wies. »Sie können hier nicht einfach so reinspazieren. Das sind alles Privatwohnungen von erlesener Kundschaft.«

Tom brachte sich unbemerkt hinter dem Hauswart in Stellung. »Gibt es ein Problem, Anton?«, fragte er.

Der Hausangestellte wirbelte herum. »Guten Tag Herr McAllister. Es ... es tut mir leid, aber diese Frau«, er zeigte auf mich, »wollte sich unerlaubt Zutritt verschaffen.«

»Die junge Dame, Anton, gehört zu mir. Felix hat sie bereits in die Gästeliste aufgenommen«, antwortete Tom freundlich, aber bestimmend.

»Sie meinen das Fräulein war schon mal Ihr Gast?«, fragte der Concierge ungläubig.

»Es geht Sie zwar nichts an, aber ja, Miss Lorenz war bereits zweimal zu Besuch und wird es wohl noch öfter sein. Es wäre also von Vorteil, wenn sie mir eine dritte Keycard besorgen könnten, damit Miss Lorenz jederzeit in mein Apartment kann«, forderte Tom ihn auf.

Der Pförtner sah mich verdutzt an und mir stieg die Röte in die Wangen.

Tom verdrehte die Augen und räusperte sich.

Anton wandte sich spontan wieder Tom zu. »Selbstverständlich. Ich werde mich gleich darum kümmern. Wäre es Ihnen in zehn Minuten recht?«

Jetzt sah Tom zu mir herüber und ließ sein Grübchen über den Mundwinkeln aufblitzen: »In zwei Stunden würde es uns besser passen.«

Die Röte steigerte sich zu einem Rot. Ich drehte mich um und ging in Richtung Fahrstuhl. Ich wollte mich nicht so präsentieren.

»Ach, und bevor ich es vergesse: Miss Lorenz ist gestern Nacht hier ausgerutscht. Sie sollten den Boden noch mal mit einem lösungsmittelhaltigen Reiniger polieren«, es war eine Aufforderung, die keinen Widerspruch duldete. »Und so glatt, wie der Boden ist, wohl zweimal.«

»Jawohl Sir«, antwortete Anton kleinlaut.

Mit schnellen Schritten kam Tom hinter mir her und fasste mich am Arm. »Lass uns gehen. Ich kann solche Opportunisten nicht leiden«, raunte er mir zu und schob mich sanft in den Fahrstuhl.

Anton warf uns noch einen finsteren Blick zu, bevor die Tür sich schloss.

Tom knurrte: »Wenn der dich noch mal erniedrigt, werfe ich ihn raus!«

»Hey, komm wieder runter!«, bat ich ihn. »Er wusste doch nicht, dass ich dein Gast bin.«

»Du verstehst es nicht, oder?«, raunte Tom mich an. »Niemand darf dich so behandeln.« Ohne ein weiteres Wort, zog er mich an sich, küsste mich geradezu besitzeinnehmend und entblößte meine Schulter, was angesichts des schmalen Trägers nicht sehr schwer war. Er küsste meine Wange und glitt hinab zu meinem Hals. »Nobody!«, murmelte er in meine Halsbeuge hinein, woraufhin ich eine Gänsehaut bekam.

Ich schloss meine Augen und hob den Kopf an. Als ich die Lider öffnete, schaute ich direkt in die Kamera. Sofort stieß ich Tom von mir weg.

»Was ist Engel? Bin ich zu grob gewesen?«, fragte er wahrlich überrascht.

»Nein ... ich mag nur keine Zuschauer«, bemerkte ich trotzig und schaute nach oben. Sein Blick verriet mir, dass er von der Kamera wusste. »Was glaubst du eigentlich, wer du bist? Ich bin nicht dein Spielzeug!«, fauchte ich ihn an.

»Sorry ... ich wollte dem Spießbürger nur mal zeigen, wer du bist«, sagte er betreten. »Es hat mich einfach aufgeregt, wie herablassend er dich behandelt hat.«

»Ach und du meinst, seine Einstellung zu mir wird sich ändern, wenn er mich halb nackt sieht?«

»Nein, aber wenn er sieht, wie du dich gegen meine Aufdringlichkeit wehrst.« Er grinste mich an und meine aufkeimende Wut verrauchte sofort.

»Du bist ein ganz schön verschlagener Hund ... Tom McAllister.«

»Ich weiß, aber gerade das magst du doch so an mir. Gib es ruhig zu.«

»Ein wenig vielleicht.«

Wieder küsste Tom mich, doch diesmal war es ein zärtlicher warmer Kuss.

Der Fahrstuhl hielt im vierten Stock. Langsam drängte ich ihn heraus, ohne jedoch seine Lippen von meinen zu lassen.

Während wir uns weiter liebkosten, schob Tom die Keycard unbeholfen durch das Lesegerät seiner Haustür. Küssend betraten wir seine Wohnung und, noch bevor wir im Wohnzimmer waren, hatte er mir das Oberteil des Kleides vollends abgestreift. Nun hatte er einen direkten Blick auf den spitzenbesetzten BH, den ich trug. Wider Erwarten fühlte ich mich nicht einmal unwohl in meiner Haut. Im Gegenteil: Toms Nähe sorgte dafür, dass es mir gut ging und die Gänsehaut, die mir jetzt den Rücken hinunterlief, einer anderen Quelle als Furcht entsprang.

Er ging einen Schritt zurück, betrachtete mich und pfiff leise. »Von einer grauen Maus zu einer verführerischen ...« Bevor er den Satz vollenden konnte, spielte sein Handy eine sanfte Melodie. »Sorry, ich muss drangehen! Wenn Hawai’i Pono'i ertönt, ist es jemand von meiner Ohana und die rufen um diese Uhrzeit nicht einfach so an. Es ist auf Oahu jetzt 2.30 Uhr in der Nacht.«

Er berührte den grünen Icon und sagte: »Aloha« Einen Moment später wurde er ganz blass und stammelte ins Telefon. »Accident ... Nicht Sophie, nicht Bens Wahine ... Ala, Pali, Moana ... probably death. Yes. … Charles okay … Aloha« Tom legte auf, fuhr sich mit seiner Hand übers Gesicht und durch seine Haare. An seinem Hinterkopf ließ er seine Finger innehalten. »Ich muss nach Hause fliegen.« Er atmete tief aus. »Bens Frau Sophie, ist heute Nacht von der Straße abgekommen und über die Klippen ins Meer gestürzt. Ob sie überlebt hat, weiß man noch nicht. Bisher konnten sie nur den Wagen bergen ... er war leer.« Er nahm seine Hand vom Kopf und seine Haare standen nun wild nach allen Seiten ab.

Wenn es nicht eine so ernste Situation gewesen wäre, hätte ich mir einen dummen Spruch wohl nicht verkneifen können, doch so stand ich nur rat- und hilflos da und blickte ihn mitleidsvoll an.

»Tu mir bitte den Gefallen und achte aufs Handy.« Er übergab mir sein IPhone und ich spürte in diesem Moment, dass ihm dieses Ding zum ersten Mal unwichtiger war als alles andere. »Mom versucht gerade ihren Schwager Charles zu erreichen, damit ich bald abfliegen kann. Ich geh derweil duschen und mich reisefertig machen.«

»Ist gut.«

Tom schenkte mir noch ein leichtes Lächeln und verschwand dann in sein Badezimmer.

Es dauerte keine zwei Minuten, da ertönte wieder Hawai’i Pono'i. »Aloha. This is Nina Lorenz speaking.«

Eine freundliche Stimme antwortete auf Deutsch: »Hallo Nina, hier ist Christine McAllister, Toms Mutter. Wie geht es Ihnen?«

»Gut. Danke der Nachfrage. Tom ist gerade duschen. Ich soll die Flugdaten entgegennehmen.«

»Ja richtig. Ich habe Charles angerufen. Er versucht gerade einen Flug von Bremen aus zu organisieren. Das dauert leider noch ein wenig und er schickt die Daten via Mail.

»Okay, ich werde es Tom ausrichten.«

»Nina?«, Christines Stimme klang ein wenig nervös.

»Ja«, antwortete ich unsicher, weil ich nicht wusste, was ich von ihrem Ton halten sollte.

»Nach allem, was Tom mir von Ihnen erzählt hat, glaube ich, dass er sich wünscht, dass Sie ihn begleiten.« Die Neugier in ihrer Stimme ließ sich nicht verhehlen.

»Entschuldigen Sie meine Direktheit, aber ist es nicht eher Ihr Wunsch als seiner?«, fragte ich ohne Umschweife.

Ein glockenhelles Lachen ertönte am anderen Ende der Leitung. »Sie haben mich ertappt. Wobei ich mir allerdings auch sicher bin, dass es in seinem Sinne ist.«

»Aber ich kann mich doch nicht einfach bei ihm unterhaken …« In mir kämpfte die Vernunft gegen den Wagemut. Wenn ich jetzt nachgeben würde, bedeutete es für mich, dass diese Romanze zu etwas Ernstem geworden ist. Andererseits machte sich die Unruhe in mir wieder breit.

»Bitte Nina. Kommen Sie mit. Er braucht Sie jetzt an seiner Seite. Ich kenne meinen Sohn und weiß, dass er Ihre Unterstützung nötig hat. Wissen Sie, es fällt ihm unheimlich schwer nach Noelani zurückzukehren und die Umstände seiner Heimkehr sind alles andere als glück…«

»Warum? Was ist so Schreckliches passiert, dass er nicht nach Hause will?« Die Unruhe ergriff mich nun von der Haarwurzel bis zur Zehenspitze und ich fühlte die Antwort auf das Rätsel greifbar nahe.

Christine sog hörbar Luft ein. »Das ist etwas, das er Ihnen selber erzählen muss. Aber glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass es ihm hilft, wenn Sie mitkommen.« Für einen Moment herrschte Stille. »Bitte Nina, bringen Sie mir meinen Sohn zurück.«

»Ich … ich weiß nicht …« Ihre Worte klangen so herzzerreißend ehrlich und Hilfe suchend und ließen mich noch mehr wanken.

Tom stand plötzlich hinter mir und streichelte mir über meine nackten Arme. Er hauchte mir einen Kuss auf meinen Hinterkopf. »Was will meine Mutter von dir?«, flüsterte er in mein Haar.

»Bitte Nina …«, hörten wir sie aus weiter Ferne sagen, als ich ihm das Telefon übergab.

© Text Astrid Rose

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Frage: Wenn Toms Familie anruft, ertönt Hawai’i Pono'i. Diese Melodie wurde 1874 von dem deutschen Kapellenmeister Heinrich Berger komponiert und hieß ursprünglich Hymn of Kamehameha I. Später wurde sie mit den Worten des letzten Monarchen versehen und ist heute die  … (?) von Hawaii.

Um die Tasse zu gewinnen, ist folgende Frage zu beantworten: Am Ende kommt zusammen, wer zusammengehört ... nur einer bleibt außen vor. Wer ist das?

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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de (Betreff: 34. Türchen plus heutiges Datum)

Einsendeschluss ist um Mitternacht.

Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und von uns per Email benachrichtigt.

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