Samstag, November 30, 2013

Adventsgewinnspiel 2013 ... 13. Türchen (01.12.)

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Heute könnt ihr das eBook (epub) "Hinter Türen" von Anja Ollmert gewinnen!

Zusätzlich noch eine kleine Überraschung von der Autorin selbst per Post.

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Kurzbeschreibung:

Wir Menschen sind versucht, einen Blick hinter verschlossene Türen zu wagen. Einen Blick voller Interesse, Neugier, Mitgefühl und wohligem oder ängstlichem Schaudern. Hinter den Türen dieses Buches – denn nichts anderes ist der Buchdeckel für den Leser – verbirgt sich Verblüffendes, Geheimnisvolles, Kriminelles, Mörderisches, Unterhaltsames und Skurriles in 23 Geschichten, die vom Leben erzählen, wie es ist – oder zumindest sein könnte …

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Anja Ollmert

Leseprobe aus dem Buch "Hinter Türen"

Genre: Kurzgeschichten verschiedener Genres

Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition

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Leseprobe

Der Blattschuss

Der Tag begann früher als gewöhnlich. Nebenan röhrte eine altersschwache Bohrmaschine. In Carolas Träumen entsprach dieser Lärm einem röhrenden Hirsch mitten in der Brunftzeit. Sie saß auf einem Hochsitz, das Jagdgewehr im Anschlag. Aufmerksam war ihr traumferner Blick auf die Linie des Waldes gerichtet. Von dort kam das Geräusch, da war Carola sicher. Suchend starrte sie durch das Zielfernrohr, bemüht, jede noch so kleine Bewegung am Waldrand wahrzunehmen.

Da – sie konnte ihn sehen. In ihrem Fadenkreuz erschien ein wunderschöner Hirsch, ein Vierzehnender, der seinen Hals gen Himmel streckte und dieses unheimliche Geräusch ausstieß, das Carola im Traum verfolgte. Sie würde ihm den Garaus machen, hatte sie beschlossen. Der Zeigefinger schwebte über dem Abzug. Er war das einzige Körperteil Carolas, das sich jetzt Millimeter um Millimeter bewegte. Kaum hatte sie die Rundung berührt, hörte sie den Schuss, der wie von einem tausendfachen Echo multipliziert, durch den Wald schallte. Der Hirsch verharrte einen Augenblick stumm. Zuerst brachen seine Vorder-beine ein, bevor er schwer zur Seite fiel und mit einem letzten, vernehmbaren Laut ver-stummte. Jetzt hatte sie ihre Ruhe.

Nachdem Carola den Traumhirschen per Blattschuss in einen ewigen Schlaf geschickt hatte, tauchte sie aus ihrer Trance auf und stellte fest, dass sie im Bett hockte, statt unter den Kissen zu liegen. Ihre Arme waren in einem 90° Winkel erhoben, als wenn sie eine Waffe hielten, die zur Wand der Nachbarwohnung ausgerichtet war. Von dort war kein Laut mehr zu hören. Der Bohrer, der in Carolas Träume eingedrungen war, war verstummt. Verstummt für immer, aber davon konnte Carola nichts wissen. Es folgte ein unterdrückter Ausruf, den sie ebenso in ihre Träume eingeordnete hatte, wie den vorangegangenen Schuss. Dann war es wieder totenstill.

Sie ließ die steif gewordenen Arme sinken und betrachtete sich im Spiegel ihres Kleider-schranks. Was sie sah, war zu der frühen Uhrzeit Normalität. Zerzaustes blondes Haar, durchzogen mit grauen Strähnen. Ihre im Ansatz schlaffe Gesichtsmuskulatur wirkte bei dem Licht der Morgendämmerung ebenso grau. Ihr geblümtes Baumwollnachthemd hing locker um ihren Oberkörper und verbarg all die Kurven, die ihr das Leben schwer machten.

Langweilig – konstatierte sie das, was sie sah, ließ sich auf den Po niedersinken und kletterte umständlich aus dem Bett. Die ungewohnte Haltung während des Traumes machte ihre ersten Schritte schwerfällig und es war, als schleppte sich Carola, gezogen von einem imaginären Schwerlaster, in ihr Bad. Im Vorübergehen fiel ihr Blick auf den Wecker. 6:05 Uhr. Viel zu früh. Sie musste erst um 8:00 Uhr am Schreibtisch im Finanzamt sitzen. Missmutig schleu-derte sie die Pantoffeln von den Füßen, dass sie im hohen Bogen gegen die geflieste Badezimmerwand prallten.

So viel Temperament war für Carola untypisch. Sie war die nüchterne und stets gelassene Beobachterin des eigenen Lebens. Sie sah von außen auf ihre Umgebung, wie bei einem langweiligen Film, bei dem man zu faul war, endlich nach der Fernbedienung zu greifen und umzuschalten. Der Duschvorhang verbarg Carolas nackte und ungeliebte Üppigkeit vor ihren eigenen Blicken im Spiegel über dem Waschbecken. Mit dem herabrinnenden Wasser aus der Dusche vertrieb sie die letzten Spuren der unfreiwillig unterbrochenen Nacht. Carola wickelt sich das Handtuch um die Hüften und tapste mit nassen Füßen zurück ins Schlafzimmer. Sie öffnete den Kleiderschrank und wählte ein mausgraues Ensemble aus Tweed. Dazu nahm sie eine schwarze Bluse. Schwarz machte schlank.

Das einzige, was an Carola außergewöhnlich war, war die seidene Spitzenunterwäsche, die sie trug. Das veränderte weder ihren Weltblick, noch das Augenmerk, das die Welt für sie erübrigen konnte. Seit sie das Bett verlassen hatte, waren wenige Minuten vergangen. Der Blick auf die Uhr sagte ihr, dass es erst 6:20 Uhr war. Immer noch viel zu früh, wenn man mit sich nichts anzufangen wusste.

Jetzt horchte Carola auf. In der Ferne vernahm sie das Martinshorn eines Rettungswagens, der sich mit hoher Geschwindigkeit zu nähern schien.

„Wo der so früh hin will?“, fragte sie sich. „Ein armer Teufel mehr, dahingerafft von einem unerwarteten Infarkt“, vermutete sie. Das Geräusch wurde lauter und sie trat ans Fenster. Auf dem Parkstreifen kamen ein Rettungswagen und ein Streifenwagen gleichzeitig mit quietschenden Reifen zum Stehen.

„Polizei?“ Trappelnde Füße im Hausflur rannten die Treppen hinauf und kamen in ihrer Etage zum Stillstand. Carola stand halbnackt in der Diele, das rechte Ohr an die Wohnungstür gepresst. Der BH baumelte ihr unverschlossen auf den Schultern. Ein Klopfen hörte Carola nicht, lediglich die Stimme von Frau Kulinski und einen tieftönenden Bass, dessen Besitzer sich als Kripobeamter vorstellte. Was hatten Kulinskis angestellt? fragte sie sich. Der Kontakt zu den Nachbarn war von Unverständnis geprägt und man gönnte sich keinen Gruß, wenn man im Hausflur aufeinanderstieß.

Carola war sicher, dass auch die Eheleute nicht miteinander sprachen. Aus der Wohnung nebenan drang selten ein Laut, trotz der dünnen Wände aus Rigips. Sie gehörte zu den Menschen, die Kulinski gerne als Zielscheibe missbrauchte.

„Finanzbeamtin. Steuern eintreiben und dann selbst aus dem großen Topf kassieren.“, schimpfte er, wenn er über Carola sprach. „Alles Blutsauger, einer wie der andere, und die Alte gehört dazu.“ Kulinski legte Wert darauf, dass Carola in Hörweite war, wenn er seine Bosheiten von sich gab. Kein Wunder, dass sie ihn nicht mochte. Und die Frau war kein Deut besser. Stets lief sie mit niedergeschlagenem Blick herum. Wer weiß, wie es um die Ehe der beiden stand. Vielleicht hatte der Mann sie tätlich angegriffen und die Frau hatte die Polizei gerufen. Auf Kulinskis aggressives Geschrei wartete Carola vergebens.

Carola hatte keine Lust mehr zu lauschen. Lieber wollte sie sich jetzt langsam ankleiden und das Haus verlassen. Sie wollte nicht in irgendwelche Dinge hineingezogen werden. All die Überlegungen, was nebenan geschehen sein mochte, ließen sich nicht gleich abstellen. Sie belagerten ihre Gedanken, während sie langsam die Strümpfe hochrollte und in Bluse, Rock und Tweedblazer schlüpfte. Carola schüttelte die Kissen auf. Einen Moment lang hielt sie inne. Da war etwas mit einem metallischen Klicken auf den Boden gefallen. Carola ließ sich auf die Knie herabsinken und tastete mit den flachen Händen über das Laminat. Mit den Fingerspitzen erfühlte sie einen kleinen Gegenstand, den sie zu sich heranzog. Eine Patronenhülse, stellte sie erstaunt fest. Sie hockte dort am Boden und umschloss sie fest mit der rechten Hand. Ihr Blick fiel auf die Wand zur Nachbarwohnung. Darin waren zwei kleine Löcher, direkt unter dem Bild von ihrem Heimatdorf in der Eifel. Und während sie erstarrte, klopfte es an ihre Wohnungstür.

„Frau Gellingsdorf, machen Sie bitte auf? Hier ist die Kriminalpolizei. Wir hätten da ein paar Fragen an Sie.“ Stöhnend erhob sich Carola und ging zur Tür. Mit der Hand umschloss sie fest die leere Patronenhülse. Sie öffnete und sah sich zwei Männern gegenüber, die ihr ihre Ausweise entgegenstreckten.

„Wir müssen mit Ihnen reden. Ihr Nachbar, der Herr Kulinski ist vor einer guten halben Stunde zu Tode gekommen. In seiner Wand befinden sich zwei Löcher, direkt dort, wo er niedergesunken ist, nachdem er die Bohrmaschine benutzt hat, um eines dieser Löcher zu bohren. Er wurde erschossen.

Seine Frau fand ihn leblos am Boden liegend. Das Werkzeug hielt er noch in der Hand. Haben Sie eine Erklärung?“

Carola blieb stumm. Sie streckte lediglich ihre Hand aus, auf der die Patronenhülse ruhte. Einer der Polizisten sprang zu ihr und drehte ihr die Hand auf den Rücken. Er schleuderte sie herum und tastete sie ab. Fast fühlte sie seine fordernden Hände bis hinab zu ihrer spitzenbesetzten Seidenunterwäsche. Sie konnte nicht sagen, dass ihr diese Berührung unangenehm war. Dass er gleichzeitig ihre rechte Wange gegen die Wand der Diele presste, hielt sie für übertrieben.

„Sie ist unbewaffnet!“, erklärte er. Der Beamte drehte sie zu sich herum.

„Wo haben Sie die Waffe, mit der Sie Ihren Nachbarn getötet haben?“

„Ich?“, fragte Carola entsetzt.

„Wer sonst? Der Schuss muss aus ihrer Wohnung gekommen sein, warum hätten Sie sonst die Patronenhülse in der Hand. Wollten Sie die Beweismittel verstecken?“

„Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden“, mehr brachte Carola nicht heraus.

„Frau Gellingsdorf, ich nehme Sie fest, wegen des Verdachts der Tötung an Ihrem Nachbarn, Herrn Kulinski. In der Wohnung befindet sich ein Kugeleinschlag in der Wand, in die Ihr Nachbar das Loch gebohrt hat. Das Projektil hat die Wand durchschlagen und traf ihn in der Brust, direkt ins Herz. Sie fühlten sich wegen der frühen Uhrzeit gestört und haben ihn erschossen. Ihre Waffe werden wir finden. Sie können die Aussage verweigern. Was Sie sagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Abführen“, sagte der Mann.

Die Spurensicherung durchwühlte Carolas Wohnung bis in den hintersten Winkel. Der Tatort war gesichert und der Leichnam Kulinskis abtransportiert. In Kulinski Wohnung wurde nicht mehr nach einer Waffe gesucht. Man hatte ja die Hülse bei Carola gefunden. In dem Durcheinander bemerkte niemand die verhuschte Frau Kulinski, als sie in Carolas Bad ging und eine Pistole in den Revisionsschacht der Wanne legte. Die winzige Rouladennadel, mit der Frau Kulinski die leere Hülse durch die Wand in die Nachbarwohnung geschoben hatte, lag in der Küchenschublade. Das Bild, das Kulinski morgens um Sechs anbringen wollte, lag neben der Bohrmaschine auf dem Boden. Es dauerte nicht lange, bis die Spurensicherung die Waffe im Bad fand. Es handelte sich nicht um ein einfallsreiches Versteck.

Carolas Unschuldsbeteuerungen glaubte niemand und sie wurde Opfer eines Indizienprozesses. Und unter der Gefängniskleidung trug sie noch Jahre später die alte, verschlissene Seidenunterwäsche.

© Text Anja Ollmert

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Frage: Welche Todesursache bzw. welchen Grund für den Polizeieinsatz vermutet Carola bei ihrem ungeliebten Nachbarn?

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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de (Betreff: 13. Türchen plus heutiges Datum)

Einsendeschluss ist um Mitternacht.

Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und von uns per Email benachrichtigt.

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Freitag, November 29, 2013

Adventsgewinnspiel 2013 ... 125. Türchen (30.11.)

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Heute könnt ihr das Buch "CUT" von Juan Santiago gewinnen!

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Kurzbeschreibung:

In Steven Rumbles Pornoproduktion geht ein Todesengel um. Bei einem Dreh im Saarland sterben kurz nacheinander drei Darsteller bei mysteriösen Unfällen. Die Polizei des kleinen Ortes scheint heillos überfordert und versucht, das ganze herunterzuspielen, während unter den Mitarbeitern der Produktionsfirma eine Panik ausbricht. Als Rumble auch nicht mehr weiter weiß, ruft er sich professionelle Hilfe: Dr. Götz, Chefarzt der Pathologie in der Frankfurter Uni-Klinik, und Kriminalhauptkommissar Bauer, seine beiden Liebhaber. Schon bald stellt sich heraus, daß es sich bei den "Unfällen" um Morde handelt. Ehe es sich die drei versehen, sind sie in ein tödliches Karussell aus Lügen, Eifersucht und Gewalt verstrickt ...

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Juan Santiago

Leseprobe aus dem Buch "CUT"

Genre: Gay-Erotik-Thriller

Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition

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Leseprobe

Polizeimeister Vaupel ist nicht begeistert davon, sein Frühstück unterbrechen zu müssen, aber der Ton der Kriminalkommissarin war deutlich. So verzichtet er heute darauf, wie gewohnt seine Frikadelle schon in der Metzgerei zu verzehren, sondern lässt sich von Frau Becker lieber ein deftiges Lunchpaket zusammenzupacken. Dann fährt er in die ihm bereits sattsam bekannte Villa, in der gestern „de Jung“ gestorben ist, und in der heute Morgen irgendwann gegen acht Uhr der nächste Tote entdeckt wurde.

Kriminalkommissarin Klara Werthmann ist bereits vor Ort, die Spurensicherung hat sie gleich aus Saarbrücken mitgebracht. Was sie von schwulen Pornoproduktionen hält, hat sie Stevie ebenfalls gleich klargemacht: Nichts. Von Schwulen hat sie ohnehin genug. Nach der Aufklärung einer Mordserie unter Schwulen in Frankfurt musste sich sie einer stationären psychiatrischen Therapie unterziehen, weil ihr Nervenkostüm nicht mehr mitgemacht hat. Daher hat sie sich nach Saarbrücken versetzen lassen, wo ihr Vater lebt, und wo sie weniger Stress hat. Und ausgerechnet jetzt sterben schon wieder Schwule in ihrer Nähe - und es ist ihr Fall.

Nach einer eher missglückten Vernehmung der Maskenbildnerin und des coolen Kevin Wolf, der in Wirklichkeit ein Student namens Sebastian Heinrich ist, und der kriminaltechnischen Untersuchung des Todes von Jeremy Sweet alias Philipp Stern, der tot in der Dusche lag, ist sie mehr als geneigt, seinen Tod als Unfall zu werten und stattdessen dafür zu sorgen, dass die Schwulen schnellstmöglich verschwinden, um sie nicht in Gefahr zu bringen, schon wieder in unerklärliche Todesfälle unter Schwulen verwickelt zu werden.

„Also, ist ja eigentlich klar“, schwadroniert die Werthmann.

„Dieser Stern ist in der Dusche ausgerutscht - kein Wunder bei dem Saufgelage, das die gestern hier veranstaltet haben müssen - und ist mit dem Kehlkopf am Duschschlauch hängen geblieben, wo er sich den Kehlkopf in den Hals gedrückt hat und daran erstickt ist. Beim Todeskampf hat er sich dann im Schlauch verheddert. Armer Junge“, stellt sie fest und scheucht die Spurensicherer aus der Villa. Dann geht sie zu Stevie.

„Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Packen Sie Ihre Sachen und verschwinden Sie hier! Umgehend!“, fährt sie ihn an.

„Das wäre ja noch schöner!“, erwidert Stevie, der überhaupt nicht begeistert wirkt.

„Was glauben Sie, wie viel Geld mich diese Produktion kostet? Da fahre ich nicht einfach wieder weg.“

„Das war der zweite Unfall in 24 Stunden... wie viele Crewmitglieder wollen Sie noch mit nach Hause nehmen?“, ruft sie wütend. Fehlt nur noch, dass sie mit ihrem Schuh aufstampft, weil sie ihren Willen nicht kriegt.

„Was ich will und was ich bekomme, sind mittlerweile zwei Paar Schuhe“, regt Stevie sich auf.

„Mit nach Hause nehmen wollte ich sie alle!“.

„Wie sieht’s eigentlich mit Ihren Finanzen aus? Können Sie denn die Gagen bezahlen?“, erkundigt sich die Werthmann mitfühlend.

„Klar kann ich die Gagen bezahlen. Ich kann mir ja auch das Haus hier leisten“, antwortet Stevie misstrauisch.

„Gut, dann denken Sie an meinen Rat - und lassen Sie die Finger weg von irgendwelchen krummen Sachen, das rate ich Ihnen... Ich meine es ja nur gut mit Ihnen, junger Mann“, verabschiedet sich die Kommissarin.

„Wissen Sie, Frau Werthmann, wenn ich Wert auf unqualifizierte Ratschläge lege, komme ich auf Sie zurück“, sagt Stevie mit einem hyperfreundlichen Lächeln. Die Kommissarin läuft rot an, verabschiedet sich mit einem knappen Nicken und stapft wütend aus dem Haus, irgendetwas von „das muss ich mir nicht bieten lassen, nicht von einer Schwuchtel“ murmelnd.

Dann ist Stevie alleine, die Kriminaltechniker sind bereits gegangen, Violette hat sich eine Beruhigungsspritze vom Arzt geben lassen, und das Team hat sich in die Zimmer zurückgezogen. Für einen Moment zögert er, dann geht er ins Bad, lässt sich Badewasser in die Wanne und nimmt ein Bad. Nach einer Weile kann er wieder klarer denken. Er taucht kurz den Kopf unter und brüllt:

„Aaaalex!“. Keine Antwort.

„Alex!“ Schritte, die Badezimmertür geht auf. Alex hat seinen Namen gehört und stürzt ins Bad. Er sieht verschlafen aus, kein Wunder, Stevie hat ihn heute auch noch nicht gesehen. Ob er alles verschlafen hat?

„Ich brauch das Telefon!“, ruft er Alex entgegen.

„Du bist der Boss“, erwidert Alex, saust in Stevies Zimmer und bringt ihm sein Handy. Dann schaut er Stevie an.

„Mach doch nicht so eine Hektik am frühen Morgen... oder willste Charles jetzt doch anders ersetzen?“

„Sag mal, was hast Du den ganzen Morgen gemacht?“, fragt Stevie entgeistert.

„Na, geschlafen natürlich. Du hast mich ja lange genug beschäftigt“, grinst Alex anzüglich.

„Kleiner... mittlerweile haben wir die Rolle von Jeremy neu zu besetzen. Der hing nämlich in der Dusche“, erklärt Stevie ernst.

„Du machst keinen Spaß, oder?“, fragt Alex besorgt.

„Nein, mir ist gerade im Moment überhaupt nicht nach Spaß“, erwidert Stevie.

„Und zu allem Übel ist die Chefermittlerin in diesem Fall die 'Königin der Holzwege'.“

„Was sagt sie? Bist Du der Mörder?“, hakt Alex nach und zieht sein Handy aus der Hosentasche.

„Nein, diesmal bin ich ausnahmsweise nicht der Mörder... NOCH nicht“, grummelt Stevie.

„Soll ich Olaf anrufen, oder machst Du das?“, fragt Alex schüchtern.

„Ich ruf ihn an... schließlich ist das MEIN Mann!!!“, antwortet Stevie und scheucht Alex mit einer Handbewegung aus dem Bad, während er Olafs Dienstnummer wählt.

„K 64, Brüller“, meldet sich eine Stimme.

„Hallo, Horst, Steven... ist Olaf da?“, fragt Stevie.

„Hier Olaf, Deine Frau ist am Telefon“, brüllt Brüller scheinbar durch den halben Raum. Schritte, dann hört Stevie die vertraute Stimme seines Mannes.

„Hallöchen, Ehegesponst“, flirte ich, denn ich weiß nicht, ob Timo, der eigentlich frei hat und ausschlafen kann, oder Steven am Telefon ist.

„Was ist denn das für ein Wort?“, höre ich die konsternierte Stimme Stevens.

„Wenn ich gewusst hätte, dass Du es bist, hätte ich Dich standesgemäß mit 'Hallöchen, Fickschnitzel' begrüßt“, stichele ich. Klar freu ich mich, dass Steven mal anruft, schließlich ist er seit drei Tagen von mir getrennt, weil er einen Pornofilm im Saarland dreht. Gestern Abend wäre ich fast hingefahren, weil Timo und ich die Sehnsucht nicht ausgehalten haben, aber wir haben’s dann doch gelassen, um Stevens Plan nicht durcheinander zu bringen.

„Schatz, lass die Scherze, mir ist grad so gar nicht danach zumute“, tönt Steven.

„Wieso, haste Heimweh? Soll ich Timo abholen und mit ihm vorbeikommen?“, frage ich lächelnd. „Ich hoffe, Du sitzt, Schatz“, fährt Steven fort.

„Klar, auf der Schreibtischecke. Wobei, ich würde jetzt viel lieber woanders sitzen“, scherze ich anzüglich. „Dann setz Dich mal woanders hin, und zwar auf einen Stuhl, bevor Du mir jetzt vom Tisch fällst“, rät Steven mir. Nanu? Was ist denn los? Er klingt irgendwie komisch...

„Was ist los?“, frage ich nur. Mir gegenüber schaut Horst Brüller hoch. Er kennt mich lange genug um zu wissen, dass irgendetwas nicht zu stimmen scheint. Wortlos schalte ich den Lautsprecher auf „Mithören“.

„Okay, ich mach’s kurz und schmerzlos. Ich hab in meinem Team zwei mysteriöse Todesfälle, die Königin der Holzwege sitzt mir im Nacken, mir fehlen zwei Darsteller, ich hab ne hysterische Maskenbildnerin und der Rest vom Team verwandelt sich in einen Haufen Alkoholiker“, fasst Steven zusammen.

„Ich bin kurz vor einem Nervenzusammenbruch und total überfordert. Hilf mir!!!“ Die letzten Worte schreit er förmlich heraus. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Horst Brüller in seiner Schreibtischschublade kramt.

„Hast Du Dein Auto dabei?“, frage ich trocken.

„Na sicher hab ich mein Auto dabei.“ Steven scheint hysterischer zu sein als ich dachte.

„Okay, kannst Du fahren, oder nimmst Du Dir ein Taxi?“, frage ich. Brüller gestikuliert im Hintergrund mit irgendwelchen CDs. Ich weiß ja nicht, was er jetzt von mir will, aber das ist mir auch egal. Jedenfalls legt er einen Rohling in den Brenner und toastet sich in Ruhe eine CD. Ich glaub ja, es hackt!

„Na sicher kann ich fahren. Wann seid Ihr da, wo soll ich Euch abholen?“, fragt Steven.

„Sei um... sagen wir... dreizehn Uhr in der Lounge vom Intercity-Hotel in Saarbrücken am Hauptbahnhof, okay?“, schlage ich meinem Mann vor.

„Geht klar“, seufzt Steven.

„Gut. Und kein Wort zu den anderen, auch nicht zu Alex, hast Du verstanden?“, schärfe ich ihm ein.

„Auch das geht klar“, antwortet Steven lakonisch.

„Gut, Hase... und halt die Ohren steif...“, flüstere ich zärtlich in den Hörer.

„Und nicht nur die Ohren“, quakt Brüller von hinten rein, während er den zweiten Rohling ins Laufwerk schiebt.

„Irgendwie mache ich mir Sorgen um Deinen Kollegen Brüller“, meldet Steven sich noch einmal.

„Ich mir auch... warum?“, frage ich verwundert.

„Ich glaube, der vergreift sich ab und an mal an der Asservatenkammer“, stichelt Steven.

„Bis später“, verabschiede ich mich lachend und lege auf. Dann funkele ich Horst Brüller an.

„Was willst Du eigentlich laufend mit diesen beknackten CDs von mir?“, frage ich ihn.

„Du brauchst eine aktuelle Navi-CD, wenn Du den neuen Benz nehmen willst“, erklärt er mir.

„Bei der Gelegenheit brenn ich Dir noch schnell die aktuellen Bullen-Hits für lange Autobahnfahrten.“ Nettes Angebot. Ich rufe Timo an, der zum Glück gerade wach geworden ist, erzähle ihm das Neueste und schlage ihm vor, seine Sachen zu packen und mit dem Taxi ins Präsidium zu kommen, um von hier zu starten. Außerdem bitte ich ihn, uns ein paar scharfe Klamotten einzupacken. Dann schaue ich Brüller an, der mit seiner Frau telefoniert und ihr aufträgt, eine Tasche für ein paar Tage zu packen und sie ihm in einer halben Stunde vorbeizubringen.

„Was hast Du denn vor, Horst?“, frage ich verblüfft.

„Ich war noch nie bei einer Pornoproduktion dabei... außerdem braucht Ihr bestimmt Hilfe“, antwortet er trocken.

„Und 'Klärchen' hat bei mir sowieso noch was gut“, grinst er. Wir kramen alle möglichen Sachen zusammen, und dann steht auch schon Timo in der Tür. Auf dem Weg zum Auto treffen wir noch Brüllers furchtbare Frau, kein Wunder, dass er mal ein paar Tage raus muss. Dann starten wir mit unserer neuen E-Klasse - natürlich ein Dienstwagen - gen Saarbrücken. Auf dem Weg zur Autobahn erkläre ich Timo, dass es sein kann, dass wir Undercover als Darsteller ermitteln müssen. Laut Computer hat die Werthmann nämlich die beiden Todesfälle als Unfälle deklariert. Schon bei der Lektüre des Berichts ist mir klar, dass irgendwas dabei nicht stimmen kann... aber das werden wir vor Ort besprechen. Wer hängt sich bei einem Unfall schon so blöd in der Dusche auf?

© Text Juan Santiago

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Frage: Wie heisst das erste Opfer des unbekannten Killers in Steinwalden?

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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de (Betreff: 12. Türchen plus heutiges Datum)

Einsendeschluss ist um Mitternacht.

Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und von uns per Email benachrichtigt.

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Donnerstag, November 28, 2013

Adventsgewinnspiel 2013 ... 11. Türchen (29.11.)

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Heute könnt ihr das Buch "Brennende Liebe" von Christina Stöger gewinnen!

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Kurzbeschreibung:

Chrissy hat sich unsterblich verliebt, natürlich wieder in den vermeintlich Falschen. Aber weiß man das vorher? Vielleicht wird ja doch noch alles gut? Und somit begibt sie sich in ein Abenteuer, das ihre Welt verändern wird - denn Liebe brennt nicht nur im Herzen ...

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Christina Stöger

Leseprobe aus dem Buch "Brennende Liebe"

Genre: Liebesroman

Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als Taschenbuch & kindle edition

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Leseprobe

Eigentlich war ich ja müde von der langen Nacht, doch ich konnte mich beim besten Willen nicht hinlegen. So machte ich mir nach dem Telefonat noch einen weiteren Kaffee und setzte mich auf meinen Balkon. Von da aus konnte ich den Parkplatz und die Straße davor wunderbar überblicken. Und so wartete ich. Ich hasste Warten und Geduld hatte ich auch keine, aber ich konnte ja nichts daran ändern. Ob er überhaupt kommen würde, wusste ich nicht, denn ich hatte nicht mal eine Handy- oder Telefonnummer. Klar, ich hätte Nicol fragen können, sie kannte ihn ja, aber sollte ich drängeln? Dann hätte ich ihn vielleicht verschreckt.

So lief ich aufgeregt in meiner Wohnung umher, räumte hier und da noch etwas weg, trank immer wieder einen Schluck Kaffee und versuchte mich zu entspannen. Ich war schon lange fertig, sowohl mit den Nerven als auch mit meinem Kaffee, als es endlich an der Tür klingelt.

Ich sprang auf, stürzte zur Tür... und wartete... Einfach mal bis Zehn zählen, tief durchatmen und dann öffnen. Ich wollte ihm ja nicht zeigen, dass ich schon vor Aufregung fast wahnsinnig geworden war.

"Du hast aber lang gebraucht. Hab ich dich gestört? Ich kann auch wieder..."

"Ne, alles gut. Nun komm rein." Ich zog ihn an seiner Hand in meine Wohnung und umarmte ihn. Leidenschaftlich erwiderte er meinen Kuss und seine Hände begaben sich erneut auf Erkundungstour. Mein Körper sprang auch sofort darauf an und wir liebten uns kurz, wild und leidenschaftlich. Es war ein wundervolles Gefühl!

Als wir eng umschlugen auf meiner Couch saßen - bis zum Bett hatten wir es nicht mehr geschafft - strich ich ihm eine Strähne seines Haares aus dem verschwitzen Gesicht.

"Fahren wir nun noch zum See?" Ich lächelte ihn an und schaute verstohlen zur Uhr. Es war gerade halb vier und noch lange Zeit bis zum Sonnenuntergang. Ich hätte so gern mit ihm geredet.

Er schaute mich an und sein Körper straffte sich unmerklich.

"Na ja, eigentlich wollte ich ja... na gut, dann lass uns fahren. Wenn du es so sehr willst...!"

Damit entzog er sich mir und sammelte seine verstreute Kleidung wieder ein. Schnell warf ich mir mein Kleid über, damit ich ihn nicht warten lassen musste und nach 5 Minuten waren wir schon im Auto und fuhren Richtung Autobahn.

"Ich habe mir überlegt, dass wir auch zum Strand fahren können. Das ist nicht viel weiter und da kenne ich ein nettes Lokal, in dem wir später zu Abend essen können. Ich hoffe, das ist in deinem Interesse."

Ich nickte und strahlte ihn an. Ich liebte das Meer und da fühlte ich mich zu Hause. Dort musste das Gespräch einfach gut verlaufen.

Er legte eine Hand auf mein Knie und fuhr mit dem Daumen sanft am Saum meines Kleides entlang.

"Dann bin ich ja beruhigt." Er lächelte zurück und bis zur Ankunft sprachen wir kein Wort mehr miteinander. Er hatte seine Musikanlage aufgedreht und deutsche Liebeslieder drangen mit voller Lautstärke an mein Ohr. Eine Unterhaltung war somit eh unmöglich geworden.

Nach ungefähr einer Stunde erreichten wir den Strand. Da es ein sehr warmer Sonntagabend war, waren auch eine Menge Menschen unterwegs. Allein, als Familie oder nur zu zweit spazierten sie auf der Promenade entlang. Der Blick aufs Meer raubte mir jedes Mal wieder den Atem und ich blieb stehen, um mich einen Moment zu sammeln. Eine Möwe kreischte hoch am Himmel und einige Boote fuhren am Horizont vorbei. Es war einfach nur wunderschön.

"Komm, lass uns hier lang gehen." Seine Worte rissen mich aus meinem Traum und ich drehte mich zu ihm. Er war schon einige Schritte gegangen und so beeilte ich mich, ihm zu folgen.

Immer noch schweigend liefen wir nebeneinander her. Ich hätte so gerne seine Hand ergriffen, ihn irgendwie berührt, um mich ihm näher zu fühlen, doch er hatte beide Hände in seinen weißen Baumwollshorts vergraben.

"Worüber wolltest du denn so dringend mit mir reden?", eröffnete er dann doch nach einiger Zeit das Gespräch.

Nun musste ich all meinen Mut zusammen nehmen und ihn fragen.

"Also die Nacht war wunderschön mit dir. Ich bin Single, du auch - hoffe ich", sagte ich mit einem Seitenblick auf ihn, doch seine Mimik veränderte sich nicht.

"Drum wollte ich dich fragen, ob du dir mit mir... also ob wir...!"

"Hallo, Mike!"

Eine Frauenstimme hinter mir riss mich aus meinen Überlegungen. Die junge, hübsche Dame kam in ihrem luftigen Sommerkleidchen auf Mike zu gerannt - meinen Mike - und fiel lachend in seine Arme. Und er erwiderte die Umarmung freudestrahlend, wirbelte sie durch die Luft und... mir wurde auf einmal richtig schlecht! Wer war das denn? Was fiel diesem Mensch ein, einfach so... und überhaupt! Finger weg!

"Simone! Schön dich hier zu sehen. Wie geht es dir? Was macht dein Studium? Wie geht es dir sonst?" Er schien sich ja richtig zu freuen. So viel hatte er mich bisher nie gefragt. Ich fühlte mich so fehl am Platz, als er ihre beiden Hände nahm und sie mit seinem Zahnpasta-Lächeln anstrahlte.

'Ach, könnte sich doch einfach so der Boden auftun! Ich will gar nicht mehr... Einfach nur weg. Was soll ich hier?' Diese Gedanken schossen durch meinen Kopf und ich zog mich Schritt für Schritt zurück, schaute auf das Meer und ließ die beiden miteinander reden.

Auf einmal legte sich eine Hand auf meine Schulter und als ich meinen Kopf drehte, sah ich Mike hinter mir.

"Komm, lass uns weitergehen. Wir wollen das Restaurant ja noch erreichen."

Kein Wort über die Dame. NIX! Und ich fragte nicht! Ich wollte es einfach nicht hören.

"Was meintest du vorhin? Ob wir es mal versuchen wollen?"

Er hatte mir ja doch zugehört und sich offenbar auch schon seine Gedanken gemacht. Ich war gespannt.

"Na, sagen wir mal so. Für eine feste Beziehung bin ich einfach nicht gemacht. Ich liebe meine Freiheit und alles, was damit verbunden ist. Gegen eine unverbindliche Affäre mit dir hätte ich aber nichts einzuwenden. Du bist echt spitze im Bett."

Er drehte sich um und lächelte mich wieder einmal an. Und meine aufgebauten Hoffnungen brachen in sich zusammen wie ein Papierhaus im stürmischen Nordwind.

© Text Christina Stöger

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Frage: Wo gehen die beiden spazieren?

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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de (Betreff: 11. Türchen plus heutiges Datum)

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Mittwoch, November 27, 2013

Adventsgewinnspiel 2013 ... 10. Türchen (28.11.)

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Heute könnt ihr das eBook (epub) "Weihnachtliches Wunder" von Angela Planert gewinnen! Und zusätzlich ein weiteres eBook aus dem Sortiment der Autorin.
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Kurzbeschreibung: Eine weihnachtliche Kurzgeschichte Auf sich allein gestellt, findet der neunjährige Erylan kurz vor Weihnachten in einem leerstehenden Haus einen einsamen Unterschlupf vor der eisigen Kälte. Als er am Heiligen Abend am wärmenden Feuer einschläft, wird er von einem Mann überrascht. Eine ungewöhnliche Weihnachtsgeschichten, die sich auch zum Vorlesen sehr gut eignet.
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Leseprobe aus dem Buch "Weihnachtliches Wunder"
Genre: Kurzgeschichte
Das Buch ist erhältlich bei
Amazon.de als kindle edition
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Leseprobe
Wie tausende kleine Messer schnitt ihm der eisige Wind ins Gesicht. Zum Schutz hätte sich Erylan am liebsten die Hände vor dieses ungeschützte Körperteil gehalten, doch dann hätte er das rettende Holz zurücklassen müssen. Den ganzen Nachmittag über hatte er damit verbracht, unter dem Schnee nach heruntergefallenen Ästen und Zweig zu suchen. An den Stellen im Wald, an denen am Mittag die Sonne den Schnee kurz erwärmt hatte, war eine feste Eisschicht entstanden, die beim Durchbrechen scharfkantig wie Glas war. Anfangs hatte sich Erylan an den spitzen Eisstücken wehgetan, aber jetzt spürte er seine Hände vor Kälte kaum noch.
In den nächsten Augenblicken wehte der Wind ihm dicke Schneeflocken entgegen, von denen einige an seinen langen Wimpern hängen blieben und ihm die Sicht erschwerten. Dort vorn, gar nicht mehr weit, lag das kleine Fischerdorf und damit sein Haus.
Sein Haus?
Es hatte leer gestanden, gehörte offensichtlich niemanden und nun wohnte er darin, damit war es sein Haus. Er senkte den Blick, um zumindest den verschneiten Weg ins Dorf zu erkennen. Seine nackten Füße schimmerten leicht blau und taub waren sie außerdem. Später wollte er sie am Feuer wärmen.
Seine Gedanken gingen zurück.
Vor sieben Tagen hatte er auf der Flucht vor den Ordnungshütern seine ohnehin schon abgewetzten Schuhe verloren. Unter keinen Umständen wollte er in diesem merkwürdigen Waisenheim der Mönche auch nur einen Atemzug länger verweilen. Ein kalter Schauer fuhr ihm über den Rücken, als er an die Vergangenheit dachte. Von den dürftigen Mahlzeiten und den strengen Vorschriften der Mönche abgesehen erschien ihm das Kloster richtig gruselig. Einmal in jedem Monat war eine schwarze Kutsche vorgefahren, aus der ein besonders gut gekleideter Mann ausgestiegen war. Er trug einen Rock aus dunkelgrünem Brokatstoff mit goldenen Lilien darauf, eine dunkelgrüne Hose und schwarze Lederschuhe. Mit einer solch warmen Kleidung ließ es sich bestimmt gut durch den Winter kommen. Trotz seines vornehmen Äußeren mochte Erylan diesen Mann nicht. Dessen auffallend hellblauen Augen schienen ihm so eisig wie jener Wind, der ihm jetzt entgegenblies. Bei jedem Besuch im Heim hatte sich der Herr drei Kinder herausgesucht, denen er ein gutes Zuhause geben wollte. Erylan hegte keinerlei Interesse, herauszufinden, was der Herr darunter verstand und was wirklich mit den inzwischen einundzwanzig Kindern geschehen war. Durch ein belauschtes Gespräch hatte Erylan erfahren, dass die Mönche jedes Mal viel Geld für die Kinder erhielten, das dem Kloster zugutekommen sollte. Trotzdem war die Suppe wässrig geblieben und die Nächte ohne eine wärmende Decke kalt. Obendrein war dieses ungute Gefühl, einer der nächsten zu sein, der mit
der Kutsche davonfahren würde, in ihm so stark geworden, dass Erylan sich eines Nachts davongeschlichen hatte. Seither wanderte er durch Dörfer, Wälder und über Felder.
Dieses kleine Fischerdorf schien ihm vertraut, als sei er schon einmal hier gewesen. Die Bewohner ließen ihn in Ruhe, hetzten ihm keine Ordnungshüter auf den Hals und manchmal bekam er sogar etwas zu essen geschenkt.
Endlich erreichte er die ersten Häuser des Dorfes. Nur ganz vereinzelt war eine Menschenseele zu sehen. Kein Wunder bei dem eiskalten Wind. Wer nicht unbedingt hinausgehen musste, saß bestimmt lieber zu Hause vor dem brennenden Kamin und wärmte sich. Ein besonders heftiger Wind blies Erylan an der nächsten Hausecke entgegen. Jeder Schritt kostete ihn nun viel Kraft, die er nicht mehr aufzubringen glaubte. Die Kälte schien in jede einzelne Zelle seines Körpers zu dringen, sogar die Gelenke fühlten sich steif an und erschwerten ihm damit das Laufen. Gleich würde er sich vor den Kamin setzen, das Feuer entzünden und sich wärmen. Es war nicht mehr weit.
Die Gedanken an ein wärmendes Feuer gaben ihm Kraft. Die Schneeflocken fielen immer dichter, sodass er kaum ein paar Meter vorausschauen konnte. Erylan versuchte, sich zu orientieren, was ihm durch die einsetzende Dämmerung zusätzlich erschwert wurde.
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Frage: Was ziert den dunkelgrünen Brokatstoff, den der Mann aus der Kutsche trägt?
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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de (Betreff: 10. Türchen plus heutiges Datum)
Einsendeschluss ist um Mitternacht.
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Dienstag, November 26, 2013

Adventsgewinnspiel 2013 ... 9. Türchen (27.11.)

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Heute könnt ihr das eBook (EPUB oder MOBI) "Die Andersnacht - Südwind" von Dr. Andreas Fischer gewinnen!

Kurzbeschreibung:

Anders ist ein Außenseiter. Er weiß nicht, warum die meisten Menschen ihn nicht akzeptieren. Eines Tages jedoch verändert sich sein Leben schlagartig. Als ein Sturm aufkommt, wird Anders aus seiner Welt gerissen und begibt sich auf eine Reise an einen ihm fremden Ort. Dort lernt er Menschen kennen, denen er vertrauen kann. Doch bald erfährt er, dass sich seine neuen Freunde in großer Gefahr befinden. Band 1 - "Südwind" bildet den Auftakt zu einer ungewöhnlichen Trilogie, in der sich tiefe Emotionen, haltlose Phantasie und die Symbolik der Natur auf unvergleichliche Weise miteinander verbinden und etwas erschaffen, das größer ist als die Summe seiner Teile. "Die Andersnacht" enthält Elemente der Genres Fantasy und Gesellschaftsdrama, die eine neuartige literarische Symbiose eingehen.

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Dr. Andreas Fischer

Leseprobe aus dem Buch "Die Andersnacht - Südwind"

Genre: Fantasy-Gesellschaftsdrama

Das Buch ist erhältlich bei Amazon.de als kindle edition

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Leseprobe

Die Seitenstraße wand sich in mehreren engen Schlingen durch den Wald. Ich benutzte meistens diesen Weg. Er war mir lieber, da er nicht durch die Wohngebiete der Stadt führte, in denen um diese Zeit viel zu viel Trubel herrschte. Vor ihren unnachgiebigen Blicken war ich dort nicht sicher. Hier jedoch war es ruhig. Nur der Wind war zu hören, der mich heute begleiten wollte.

Mein Name war Anders. Und so schien ich auch für die Menschen zu wirken, denen ich bisher begegnet war; anders. Es hatte schon in meiner frühen Kindheit begonnen und sich seither immer weiter ausgebreitet. In der Schule wurde ich nur geduldet, oftmals auch offen angefeindet, aber nie einbezogen. Hinter meinem Rücken tuschelten sie über mich, wildfremde Leute, die mich überhaupt nicht kennen konnten. Woran das lag, hatte ich nie in Erfahrung bringen können. Mit der Zeit war es für mich zu einer traurigen Gewohnheit geworden, abgelehnt und abgesondert zu werden.

Vom Waldrand hatte ich es nicht mehr weit, doch ich musste mich beeilen. Es sah nach Regen aus; der Himmel war grau in grau und schon den ganzen Morgen hatte sich die Sonne nicht blicken lassen. Zudem wurde der Sturm merklich stärker. Er war keineswegs kalt, nur recht heftig. Er verhieß nichts Gutes, bestimmt Gewitter.

Ich war froh, als ich zu Hause ankam, denn ich hatte ganz und gar nicht die Absicht gehabt, in einen Schauer zu geraten. Nachdem ich mich noch einmal nach dem unheilvollen Gewühl am Himmel umgeschaut hatte, stieg ich die Treppe hinauf bis zur Tür. Erst dort suchte ich den Schlüssel. Ich war ein bisschen müde. Das kam wohl davon, dass ich mich auf dem Heimweg so beeilt hatte. Als ich dann endlich in der Wohnung war, ließ ich mich erschöpft in einen Sessel fallen und blickte durch das Fenster nach draußen. Die Büsche und Sträucher zitterten im Wind, der heute aus dem Süden wehte. Das war das Ungewöhnliche daran, denn meistens kam er aus dem Westen, aber Südwind - da würde bestimmt eine gehörige Ladung Sand aus der Sahara mitkommen.

Der Himmel wurde immer schwärzer, doch der Regen ließ auf sich warten. Stattdessen nahmen die Sturmböen an Heftigkeit zu. Ich hörte die Zugluft durch die Türritzen pfeifen und sah, wie ein paar Papierfetzen und Plastiktüten über den Rasen fegten.

Dann war für einen Augenblick Stille. Die Büsche richteten sich wieder auf, so als würden sie schon nach dem nächsten Windstoß Ausschau halten. Es dauerte allerdings eine Weile, bis dieser eintraf. Er kam mit einer solchen Wucht heran, dass zahllose Blätter und manchmal auch ganze Zweige weggerissen wurden und davontrieben. Staub und Erde wurden aufgewirbelt und ließen die vielen Sträucher für kurze Zeit wie hinter einer dichten Nebelbank verschwinden.

Als die Sicht sich wieder aufklarte, hatte der Himmel eine andere, merkwürdige Färbung angenommen. Er war nun nicht nur schwarz, sondern auch ein wenig grünlich. Der Wind beruhigte sich für kurze Zeit, bis die nächste Böe heranbrauste. Zuerst sah ich gar nichts, weil wieder eine Menge Staub aufstieb. Danach jedoch erkannte ich einige kleine Gegenstände, die über den Boden huschten. Und da fiel mir ein, dass ich meine Tasche draußen liegen gelassen haben musste. Hoffentlich war sie noch da und nicht schon weggeweht, denn darin befand sich noch meine Geldbörse. Gleich sprang ich aus meinem Sessel, zog den Schlüssel ab und eilte hinunter in Richtung Haustür. Ich wartete noch, bis das Zischen der Zugluft etwas nachließ, dann traute ich mich ins Freie.

Der Wind war angenehm warm, aber recht forsch, sodass ich zuerst überhaupt nichts sehen konnte, weil er mir die Haare ins Gesicht blies. Doch dann erblickte ich endlich meine Tasche, die der Sturm unter einen Baum gejagt hatte, wo sie am Stamm festgehalten wurde. Als ich sie aufheben wollte, hörte ich hinter mir plötzlich ein Poltern. Das klang so wie das Umkippen eines Containers. Ein wenig erschrocken drehte ich mich um.

Was ich dann erblickte, sah so aus wie das Auge eines Hurrikans oder eines schwarzen Lochs, auf jeden Fall drehte es sich unglaublich schnell. Seine grüngraue Färbung umgab mich auf einmal und dann wurde ich irgendwie weggetragen.

© Text Dr. Andreas Fischer

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Frage: Was hat Anders draußen vor dem Haus verloren?

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Die richtige Antwort schickt ihr bitte an adventsgewinnspiel2013@gmx.de (Betreff: 9. Türchen plus heutiges Datum)

Einsendeschluss ist um Mitternacht.

Der oder die Gewinner/in wird morgen ermittelt und von uns per Email benachrichtigt.

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